Sprache auswählen

Das Schneeberger Bergbaugebiet grenzt im Osten an das Annaberger und im Süden an das Schwarzenberger Revier und ging u.a. auf Erze von Silber, Kupfer, Wismut, Kobalt und Nickel um. Die Ende des 15. Jahrhunderts entstandene Bergstadt Schneeberg war die erste bedeutende Bergstadtneugründung im Westerzgebirge und ist Teil der Welterbe-Nominierung. Im umliegenden Gebiet sind Sachzeugen der Montanlandschaft Schneeberg-Neustädtel und der Bergbaulandschaft Hoher Forst nominiert. Das Blaufarbenwerk „Schindlers Werk“ steht als Denkmal der erzgebirgischen Blaufarbenindustrie zur Nominierung. Als assoziierte Objekte verdeutlichen der "Schneeberger Floßgraben" sowie ausgewählte Sachzeugen der Auer Montangeschichte - darunter das Herrenhaus Auerhammer oder die Fundgrube St. Andreas/Weiße Erden Zeche - das reiche montanhistorische Erbe dieses Bergbaugebietes.

  • Welterbe-Bestandteile
  • Assoziierte Objekte
  • Interaktive Karte

Impressionen

Geologie und Geschichte

  • Geologie/Mineralogie des Bergreviers
  • Geschichte des Bergreviers
  • Kartenübersicht
  • Weitere Objekte

Ulrich Sebastian (nach Sebastian 2013)

Abb. 1 Kartenskizze der westerzgebirgischen Granite und ihrer Umgebung. Die Lagerstättenregion Schneeberg-Schlema-Aue ist noch einmal vergrößert dargestellt worden. Man beachte den Roten Kamm als Bestandteil der Störungszone von Gera-Jáchymov.
Abb. 2 Blockbild zur Lagerstättensituation von Schneeberg und Schlema-Alberoda (nach Wagenbreth & Wächtler eds 1990). Das Foto zeigt einen Übertageaufschluss des Roten Kamms.
Abb. 3 Profil der Lagerstätte Niederschlema mit den wichtigsten Grubenbauen (nach Hiller & Schuppan 2007). Aus Sebastian 2013.
 

Neben den Lagern der Schwarzenberger Kuppel existiert im Westerzgebirge auch eine ganze Reihe wichtiger Ganglagerstätten. Dazu gehören Fluss- und Schwerspatgänge sowie die berühmte, heute meist aufgesplittete Gruppe der Wismut-Kobalt-Nickel-Silber-Uran-Gänge (BiCoNiAgU). Je nach Entwicklungsstand der Industrie (und der Politik) war das eine oder das andere Element von bevorzugtem Interesse.

Wie der Abbildung 1 zu entnehmen ist, befinden sich die Lagerstätten um Schneeberg, Schlema und Aue in der Umgebung kleinerer Granitausbisse, die, wie der viel größere Eibenstocker Granit, Aufragungen des Westerzgebirgischen Plutons darstellen. Die Gangerzlagerstätte von Schlema-Alberoda wird dabei durch den so genannten Roten Kamm von der Lagerstätte Schneeberg getrennt.

Die Ganglagerstätten sind deutlich jünger als die Erzlager. Sie schneiden den metamorphen Lagenbau und kommen vor allem in Schiefern (Phyllit, Glimmerschiefer) im Hangenden von Graniten vor, jedoch kaum im Granit selbst (Abb. 2). Tektonisch folgen die Gänge der NW-SE streichenden Gera-Jáchymov-Störungszone, die auch die Schieferschalen an der Südwestflanke des Erzgebirges in seinem Streichen durchzieht.

Historisch gesehen ist der Bergbau von Schlema-Alberoda sehr jung und war erst nach 1900 von Interesse, und zwar wegen der auftretenden Radioaktivität. Zunächst war der Ort Radiumbad mit 17000 Kurpatienten im Jahre 1943 (Baumann et al. 2000). Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet zum Schauplatz intensiver Gewinnung strategischen Urans (Abb. 3). Bis 1830 m Teufe wurde gegraben und bis 1990 wurden 80600 t Uran gewonnen (Baumann et al. 2000).

Wie so oft im Erzgebirge, ist die Altersstellung der einzelnen Gangabfolgen unklar – es scheint als ob eine mehrfache Mobilisierung und Umlagerung des gleichen Stoffinhalts stattgefunden hat. Zum Beispiel konnten Förster & Haack 1995 zeigen, dass Uranmineralisationen des Lagerstättendistriktes Schlema-Alberoda sowohl vor 270 Millionen Jahren als auch vor 120, 80, 30 und weniger als 15 Millionen Jahren gebildet wurden. Es liegt nahe, dass die primäre Lieferung zur Rotliegendzeit vor 270 Millionen Jahren passierte und alle jüngeren Alter lediglich Remobilisierungen sind. Aber was bedeutet hier eigentlich „primär“? Auch das 270 Millionen Jahre alte Uran fiel nicht vom Himmel. Romer et al. 2010 vermuten eine Herkunft aus den Graniten des Erzgebirges. Tatsächlich liegen die Urangehalte der sächsischen Fluor-Granite mit 11 ppm Uran deutlich über dem Durchschnittswert für die Erzgebirgsgneise (~ 2 ppm nach Pälchen ed, 2009) und dem Clark-Wert für kontinentale Kruste mit 2,5 ppm. Spinnt man den Faden weiter, dann ließe sich das Uran der Granite durch das Aufschmelzen paläozoischer Schiefer erklären. Sie bildeten die Grundlage des ostthüringischen Uranbergbaus (Lagerstätte Ronneburg) und sind vermutlich mehrfach in den metamorphen Stapel des Erzgebirges eingebaut worden (Mingram 1998).

Quellen:

Baumann L, Kuschka E, Seifert T (2000) Lagerstätten des Erzgebirges. Enke Stuttgart

Förster B, Haack U (1995) U/Pb-Datierungen von Pechblenden und die hydrothermale Entwicklung der U-Lagerstätte Aue-Niederschlema (Erzgebirge). Z geol Wiss 23, 581-588

Hiller A, Schuppan W (2007) Geologie und Uranbergbau im Revier Schlema-Alberoda. Bergbau in Sachsen Bd 14, SächsLfULG

Mingram B (1998) The Erzgebirge, Germany – a subducted part of northern Gondwana: geochemical evidence for repetition of early Palaeozoic metasedimentary sequences in metamorphic thrust units. Geological Magazine 135, 785 – 801

Pälchen W (2009) Geologie von Sachsen II, Georessourcen, Geopotenziale, Georisiken. Schweizerbart, Stuttgart

Romer RL, Schneider J, Linnemann U (2010) Post-Variscan deformation and hydrothermal mineralization in Saxo-Thuringia and beyond: a geochronologic review. In Linnemann U, Romer RL (eds) Pre-Mesozoic Geology of Saxo-Thuringia – From the Cadomian Active Margin of the Variscan Orogen. Schweizerbart, Stuttgart, 347-360

Sebastian, U (2013) Geologie des Erzgebirges. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg

Wagenbreth O, Wächtler E (eds 1990) Bergbau im Erzgebirge – Technische Denkmale und Geschichte. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig

Übersicht der nominierten Welterbe-Bestandteile

Quelle: WFE GmbH, Gestaltung: 599media GmbH

Informationen/Adressen