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Das Freiberger Bergrevier ist nicht nur das älteste, sondern galt auch als das größte und bedeutendste sächsische Bergrevier. Der Bergbau brachte hier neben Silber v.a. Kupfer, Bleierze und andere Bodenschätze zu Tage und lieferte mehr als zwei Drittel des gesamten erzgebirgischen Silbers. Zum Freiberger Bergbaugebiet gehören im Rahmen der UNESCO-Welterbenominierung die Bergbaulandschaften Gersdorf, Himmelfahrt Fundgrube mit Hüttenkomplex Muldenhütten, Zug und Brand-Erbisdorf, die Historische Freiberger Altstadt sowie der Erzkanal mit Gruben im Freiberger Nordrevier. Der Rothschönberger Stolln und die Aktive Revierwasserlaufanstalt Freiberg/RWA veranschaulichen das erforderliche bergbauliche Wasserwirtschaftliche System des Reviers.

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Geologie und Geschichte

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Ulrich Sebastian (nach Sebastian 2013)

Abb. 1 Kartenskizze der Freiberger Graugneiskuppel. Nach Hofmann 1974, Koch & Schirn 1994 und Tichomirowa 2003. Die Tabelle gibt einen Überblick zur unterschiedlichen Nomenklatur der Freiberger Graugneise. Aus Sebastian 2013.
Abb. 2 Spatgang untertage und Foto einer Gangstufe des Freiberger Reviers mit Baryt, Calcit, Siderit und Pyrit. Aus Sebastian 2013.
Abb. 3 Karte der wichtigsten Gänge des Freiberger Raums, farblich nach Hauptstreichrichtungen sortiert. Die kleine Karte zeigt die flächige Vormacht der hauptsächlichen Metall-Rohstoffe (nach Baumann 2000). Aus Sebastian 2013.
Abb. 4 Profil durch die Freiberger Lagerstätte, das die vertikale Zonierung der Erzgänge zeigt, und Foto des Schachtes Reiche Zeche (nach Baumann 2000). Aus Sebastian 2013.

Die erzgebirgische Internstruktur gliedert sich in eine Anzahl domartiger Strukturen, den Kuppeln, die entweder durch graue oder rote Gneise dominiert werden. Als Typuslokalität für die Grauen kann die Freiberger Gneiskuppel gelten. Durch ihre Größe und weil der Freiberger Gneis das Rahmengestein für die wichtigste Silberlagerstätte bildete, wurde in ihnen eine Art Hauptgneis für das Erzgebirge gesehen (Abb.1).

Das umlaufende Streichen der D2-Foliation definiert die Freiberger Kuppel mit einem Durchmesser von 40 km. Geochemisch haben die Graugneise einen granodioritischen Charakter, der Feldspatanteil ist gegenüber einem Granit hin zum Plagioklas verschoben. Neben Kalifeldspat führen die Gneise auch Oligoklas (Hofmann 1965), einen albitischen Plagioklas. Aber war Granodiorit auch das Edukt? Dazu mehr in der Vertiefung.

Die Ganglagerstätte des Freiberger Reviers ist eine der am längsten erkundeten und auch eine der berühmtesten Lagerstätten der Welt (Abb. 2). Sie mineralisierte nach der variszischen Gebirgsbildung. Kennzeichnend ist eine wiederholte Mobilisation der Rohstoff-Elemente, was zu einem komplizierten Muster von Gangparagenesen führte, die sich gegenseitig durchdringen.

Von den vielfältigen Mineralisationsfolgen sind die wichtigsten (Baumann et al. 2000):

- Quarz-Polymetall-Assoziation (kb-Formation) im Zentralteil, also um Freiberg. Hierher gehören die wirtschaftlich wichtigen Blei-Zink-Paragenesen: Sphalerit-Stannin-Chalkopyrit, Quarz-Galenit, Pyrit-Quarz.

- Silber-Sulfid-Assoziation (eb-Formation), vor allem im Raum Brand-Erbisdorf und Bräunsdorf. Sie ist der wichtigste Silberlieferant und führt typischerweise Karbonate als Gangart: (Braunspäte)-Freibergit-Sphalerit-Galenit, Calcit-Pyrargerit-Argentit-gediegen Silber

- Die Fluorbarytische Bleierz-Assoziation (fba-Formation) kommt hauptsächlich in den Spatgängen (WNW-ESE), speziell von Halsbrücke, vor. Mineralvergesellschaften sind Quarz-Chalcedon-Fluorit-Galenit-Sphalerit und Fluorit-Baryt-Quarz-Galenit-Sphalerit.

- BiCoNiAg-Assoziation (= Formation). Im gesamten Gebiet, besonders auf Gangkreuzen N-S- und WNW-ESE-streichender Gänge. Paragenesen: Quarz-Baryt-Fluorit-Wismut-Silber, Karbonate-Pyrit-Sphalerit-Galenit-Silberminerale.

Die verschiedenen Vererzungen sind sowohl an der Oberfläche (Abb. 3) als auch zur Tiefe hin (Abb. 4) zeitlich und räumlich verteilt. Von der Mineralführung (oder dem Streichen) der Gänge auf die zeitliche Einordnung zu schließen, klappt jedoch nicht hundertprozentig, da es, wie erwähnt, zur wiederholten Mobilisierung bestimmter Elemente kam. Nach Untersuchungen von Stanek (in Berger et al. 2011) im Bereich der Grube Reiche Zeche kann hier von folgender zeitlicher Reihenfolge ausgegangen werden:

1. Flache Gänge (NW-SE-Streichen)

2. Stehende Gänge Typ Wilhelm Stehender (N-S-Streichen)

3. Spatgänge (E-W-Streichen)

4. Stehende Gänge Typ Hauptstollngang Stehender (NNE-SSW-Streichen).

Der Hauptstollngang Stehende gehört also geologisch gesehen der jüngsten Ganggeneration des Reviers an. Er war aber auch ökonomisch der wichtigste. Auf ihm wurde 1168 das erste Silber gefunden. Das daraufhin gegründete Freiberg hatte im Jahre 1250 bereits 3000 Einwohner und die Innenstadt Freibergs besaß schon ihre heutige Struktur innerhalb der Stadtmauern. Zunächst wurde Silber abgebaut, später folgten Blei und Zink, die neben weiteren mitgewonnenen Metallen bis 1968 die Hauptrohstoffe waren.

Quellen:

Baumann L, Kuschka E, Seifert T (2000) Lagerstätten des Erzgebirges. Enke Stuttgart

Berger HJ, Felix M,Görne S, Koch E, Krentz O, Förster A, Förster H-J, Konietzky H, Lunow C, Walter K, Schütz H, Stanek K, Wagner S (2011) Tiefengeothermie Sachsen. Schriftenreihe LfULG 9/2011

Hofmann J (1965) Zur Petrotektonik des Graugneiskomplexes Freiberg. Freib Forsch-H C 191

Hofmann J (1974) Petrographische und lithostratigraphische Stellung der Gneise des Osterzgebirges. Freib Forsch-H C 292, Leipzig

Koch EA, Schirn R (1994) Genese des Quarzitzuges zwischen Oberschöna und Frauenstein/Osterzgebirge (oberes Proterozoikum). Z Geol Wiss 22 (5), 495-504

Sebastian, U (2013) Geologie des Erzgebirges. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg

Tichomirowa M (2003) Die Gneise des Erzgebirges – hochmetamorphe Äquivalente von neoproterozoisch-frühpaläozoischen Grauwacken und Granitoiden der Cadomiden, Freib Forsch-H C495

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