Sprache auswählen

Zentrum des Annaberger Bergbaugebiets war die gleichnamige Bergstadt, die ihre Gründung (Ende 15. Jhd.) den reichen Silberfunden zu verdanken hatte. Sie ist innerhalb der Montanlandschaft Annaberg-Frohnau ebenso Bestandteil der Welterbe-Nominierung, wie die Bergbaulandschaften Pöhlberg und Buchholz. Der Bergbau im Annaberger Revier wurde auf unterschiedliche Bodenschätze betrieben, darunter u.a. Silber, Kupfer und Zinn, Wismut oder Kobalt, dazu verschiedene Steine und Erden. Bedeutendstes Bau- und Kulturdenkmal im Annaberger Bergbaugebiet ist die von 1499 bis 1525 erbaute spätgotische Hallenkirche St. Annen. Das Annaberger Bergbaugebiet grenzte im Osten an das Marienberger und im Westen an das Schneeberger Bergbaurevier.

benachbarte Bergbaugebiete

  • Welterbe-Bestandteile
  • Assoziierte Objekte
  • Interaktive Karte

Impressionen

Geologie und Geschichte

  • Geologie/Mineralogie des Bergreviers
  • Geschichte des Bergreviers
  • Kartenübersicht
  • Weitere Objekte

Ulrich Sebastian (nach Sebastian 2013)

Abb. 1 Geologische Kartenskizze der Annaberger Kuppel. Das umlaufende Streichen der Foliation (in Strichen angedeutet) wird durch die Wiesenbader Störung im NE gekappt. Aus SEBASTIAN 2013.
Abb. 2 Karte der Annaberger Erzgänge. Die NW-SE streichenden Gänge (A) sind die wichtigsten „Erzadern“ für Silber und Uran (BiCoNiAgU). Bei den roten Gängen (B) handelt es sich einerseits um Zinn-Wolfram-Vererzungen und andererseits um remobilisiertes Material beiden Typs. Nach BAUMANN et al 2000, aus SEBASTIAN 2013.
Abb. 3 Saigerriss (Blick auf den Gang) des Erst Neu Glück Flachen, Markus Röhling Fundgrube. Deutlich erkennbar ist die Konzentration der Erzabbaue auf die Bereiche der „Schwebenden“ – Kohlenstoff führende Lagen im Gneis. Die dicke Linie markiert den Verlauf des Markus-Röhling-Stollns. Sein Mundloch ist im Foto zu sehen, wo Freunde des Bergbaus zu den Öffnungszeiten einfahren können. Nach WAGENBRETH & WÄCHTLER (eds) 1990, aus SEBASTIAN 2013.
Abb. 4 Blick über das Westerzgebirge mit Bärenstein, Scheibenberg, Pöhlberg. Es handelt sich bei allen dreien um Nephelinite (Foidite) mit einem Alter von etwa 20 Millionen Jahren. Darüber ist in einer Skizze die Entstehung der Berge durch Reliefumkehr dargestellt. Nach WAGENBRETH & STEINER 2001, aus SEBASTIAN 2013.

Nach Freiberger und Reitzenhainer Struktur ist die Annaberger Kuppel die vielleicht auffälligste Domstruktur des Erzgebirges. Mit ihrem Zentrum in der Ortslage Annaberg-Buchholz legt sich auch hier die Hauptfoliation umlaufend um einen Kern (Abb. 1). Neben dem dominierenden Zweiglimmergneis vom Typ Annaberg, der schon von alters her mit dem Freiberger verglichen wurde, kommen in äußeren Bereichen konzentrisch angeordnete Muskovit- und Augengneise sowie so genannte Plattengneise vor. Annaberg ist die Hauptstadt des Silberbergbaus im Westerzgebirge. Seit dem 15. Jahrhundert wurde hier geschürft. Der Rechenkünstler Adam Ries war hier im 16. Jahrhundert Bergbeamter. Im Laufe der Jahrhunderte lieferte das Revier 350 t Silber, 8700 t Kobalt, 2600 t Kupfer, 205 t Zinn und 496 t Uran (Baumann et al. 2000).

Im Wesentlichen ähnelt die Annaberger Lagerstätte der von Freiberg. Hier wie dort sind die Erze vor allem an Gänge gebunden (Abb. 2), hier wie dort gibt es keinen Lieferanten für das Metall im Sinne eines tiefer liegenden Plutons und hier wie dort stecken die Gänge in Graugneisen mit cadomischem Edukt. Ähnlich wie in Freiberg repräsentieren auch in Annaberg verschiedene Streichrichtungen der Gänge unterschiedliche Bildungsepochen mit unterschiedlicher Mineralisierung

- Sn-Cu (Kassiterit SnO2, Chalkopyrit CuFeS2) auf etwa E-W streichenden Gängen,

- BiCoNiAgU auf NW-SE streichenden Gängen,

- beide zusammen (Remobilisierung) auf NE-SW streichenden Gängen.

Neben diesen Gängen sind für die Ausscheidung der Erzminerale auch petrographische Gegebenheiten des Gneises ausschlaggebend. Vor allem im Bereich von Kohlenstoff führenden Lagen im Paragneis konnten Erze, vor allem des Urans, verstärkt ausgeschieden werden. Grund dafür waren die veränderten chemischen Verhältnisse im Bereich dieser „Schwebenden“, z. B. verstärkte Reduktion, die insbesondere bei Remobilisierungen aktiv wurden. Ein Beispiel dieser Erzkonzentration zeigt die Abbildung 3.

Die Basalte des Westerzgebirges (Pöhlberg, Scheibenberg) sind lediglich die versprengten Ausläufer des intensiven Vulkanismus im Ohřegraben. Die dort zerbrochene und gedehnte Kruste erlaubte den Aufstieg von Magmen aus dem Mantel. Untersuchungen der Isotopenverhältnisse der basaltoiden Gesteine belegen die Mantelherkunft (Pälchen & Walter eds, 2008). Und auch die Chemie der Vulkanite zeigt die Muster eines kontinentalen Riftes. Die Masse der basaltischen Gesteine wird im Erzgebirge von Basaniten, Tephriten, Foiditen und wenigen echten Basalten gebildet.

Im Gelände bilden diese Basaltoide auf Grund ihrer Chemie und ihres jungen Alters markante Härtlinge, die im Erzgebirge namhafte Berge bilden (Abb. 4). Das sind zum Beispiel der Pöhlberg (~24 Millionen Jahre), der Scheibenberg (~22 Millionen Jahre) oder der Bärenstein (~18 Millionen Jahre, Angaben nach Pälchen & Walter eds, 2008).

Die Basaltoidberge sind Zeugen einer Reliefumkehr, was bedeutet, dass dort, wo die heutigen Berge sind, früher die Täler waren. Die Vulkanite flossen aus dem Gebiet des heutigen Erzgebirgskammes nach Norden und nutzten dabei die Flusstäler als natürliche Fließrinnen. Mit der neogenen Einebnung (Feldspatverwitterung der Gneise) wurden die Basaltoide aus dem Gneis herauspräpariert. Bester Beweis sind die känozoischen Flusskiese, die im Erzgebirge unter vielen Vulkaniten liegen, aber besonders mächtig am Scheibenberg sind.

Dieses schöne Indiz führte allerdings A. G. Werner 1788 aufs Glatteis:

„Ich theilte dem mineralogischen Publikum … eine von mir gemachte wichtige Beobachtung, die ungemein viel Aufschluß über die Entstehung des Basaltes giebt, und seinen nassen Ursprung fast ausser allen Zweifel setzet, … mit.“

Werner vermutete, dass Vulkanite gar nicht magmatisch entstanden, sondern in Wirklichkeit sedimentären Ursprungs sind. Mit dieser Idee gründete er die Theorie des Neptunismus, der auch Goethe anhing. Wir wissen heute, dass sich die Säulen senkrecht zu den Abkühlungsflächen bilden und durch Schrumpfung des erkaltenden Magmas entstehen.

 

Quellen:

Baumann L, Kuschka E, Seifert T (2000) Lagerstätten des Erzgebirges. Enke Stuttgart

Pälchen W, Walter H (eds 2008) Geologie von Sachsen. Schweitzerbart, Stuttgart

Sebastian, U (2013) Geologie des Erzgebirges. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg

Wagenbreth O, Steiner W (2001) Geologische Streifzüge. Spektrum Akademischer Verlag

Wagenbreth O, Wächtler E (eds 1990) Bergbau im Erzgebirge – Technische Denkmale und Geschichte. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig

Werner AG (1788) Bekanntmachung einer am Scheibenberger Hügel über die Entstehung des Basaltes gemachten Beobachtung. Bergmännisches Journal 2, 845-907

Übersicht der nominierten Welterbe-Bestandteile

Quelle: WFE GmbH, Gestaltung: 599media GmbH

Informationen/Adressen