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Das Bergbaugebiet Altenberg, östlichstes Bergrevier der Montanregion Erzgebirge, wird repräsentiert durch die Montanlandschaft Altenberg-Zinnwald, den Verwaltungssitz Lauenstein (mit Schloss und Stadtkirche) sowie durch die montanarchäologische Stätte der hochmittelalterlichen Silberbergwerke in Dippoldiswalde. Während in den Gebieten um Dippoldiswalde vor allem Silber gewonnen wurde, dominierte um Altenberg und Zinnwald der Zinnerzbergbau. Mit dem Fördergerüst und den Tagesanlagen des Arno-Lippmann-Schachtes sind markante technische Denkmale der letzten Betriebsperiode erhalten.

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Ulrich Sebastian (nach Sebastian 2013)

Abb. 1 Karte der Osterzgebirgs-Caldera. Die großen Intrusionen der Granitporphyre von Altenberg, Frauenstein und Fláje (magenta) umgrenzen die eingesunkene Scholle von Altenberg. Neben einer Anzahl weiterer Magmatite finden sich hier die faziell „exotischen“ Phyllite von Hermsdorf und Rehefeld. Die känozoischen Sedimente sind abgedeckt. Aus Sebastian 2013.
Abb. 2 Blick vom Kahleberg (Karbon) über Altenberg mit seiner Pinge zum Geisingberg (Neogen). Der karbone Teplice-Rhyolith und der neogene Nephelinit befinden sich im selben Höhenniveau. Aus Sebastian 2013.

Das Erzgebirge und seine unmittelbare Umgebung sind reich an spätvariszischen vulkanischen Bildungen. Besonders das Osterzgebirge besticht durch eine Vielzahl verschiedener eruptiver Gesteine des Permokarbons.

Es ist gar nicht so einfach, einen Überblick über die verschiedenen Magmatite des Osterzgebirges zu bekommen. Glücklicherweise gibt es heute genügend Beobachtungen und auch moderne Altersdatierungen. Die meisten Magmatite sind saurer Natur, umfassen also Gesteine mit hohen SiO2-Gehalten, sind demnach grob gesagt granitischer Zusammensetzung. Sie gehören allesamt ins Oberkarbon und sind Ergebnis der variszischen Kollision.

Älteste Bildung ist der Biotit-Granit von Fláje, der lagerstättenkundlich steril ist und mit dem Niederbobritzscher Granit parallelisiert werden kann.

Von den vielen rhyolitischen Ganggesteinen des Osterzgebirges sind die Spaltenfüllungen außerhalb der Caldera die ältesten. Sie stellen die Förderkanäle von erodierten Vulkanbauten und Spalteneruptionen dar. Ihr ca. NE-SW gerichtetes Streichen, etwa senkrecht zur Caldera, könnte mit der Aufbeulung der Vulkanregion vor dem gravitativen Kollaps zusammenhängen (Mlčoch & Skácelová 2010). Zu diesen Rhyolithen gehört der größere Teil des Sayda-Berggießhübel-Gangschwarms (Gänge der Abbildung 1).

Erste und wichtigste magmatische Bildung aus der Altenberg-Teplicer Magmenkammer ist der Teplicer Rhyolith. Hauptsächlich besteht dieser Rhyolith aus Ignimbriten, es kommen aber auch Tuffe und Laven vor (Müller et al. 2005). Im Süden bei Teplice wird die vulkanische Abfolge bis 1200 m mächtig und spiegelt somit auch den Umfang der Absenkung des Altenberger Blocks wider. Prominenteste Bildungen im heutigen Erscheinungsbild sind der Kahleberg und die Lugsteine nahe der böhmisch-sächsischen Grenze. Der Volumenverlust in der Magmenkammer während der Eruption der Rhyolithe führte zum Calderaeinbruch in Form einer Ellipse von nicht weniger als 18 x 35 Kilometern.

Mit dem Calderaeinbruch wurden Restmagmen ausgequetscht, die im Westphal D die Granitporphyrintrusionen (porphyrischer Mikrogranit) bildeten (Müller et al. 2005). Das große „T“ von Frauenstein und der Zug von Fláje begrenzen die Westseite, während der Granitporphyr von Altenberg-Bärenstein die Altenberger Scholle im Osten flankiert. Auch kleinere Rhyolithspalten, die NW-SE streichen, werden im Zusammenhang mit dem Einbruch der Caldera gesehen.

Mit Ausnahme einiger jüngerer Generationen von Gängen wird die spätvariszische magmatische Epoche von der Intrusion der Lithiumglimmer-Granite abgeschlossen, von denen der Schellerhauer Granit an der heutigen Oberfläche die größte Verbreitung hat. Sie intrudierten vor etwa 300 Millionen Jahren und brachten das Zinn mit.

Neben dem intensiven spätvariszischen Magmatismus existiert aber noch eine junge Eruptionsphase, die nur wenige Millionen Jahre alt ist und ins Neogen datiert. Dieser Vulkanismus gehört zu den tektonischen Vorgängen, die Mitteleuropa in Schollen zerteilten und auch das Erzgebirge anhoben. Zwischen den turbulenten Eruptionszeitaltern (spätvariszisch und Neogen) liegen 280 Millionen Jahre. Trotzdem prägen die Zeugen beider Epochen das Relief im Osterzgebirge (Abb. 2). Zum einen sind die Erhaltung der variszischen Vulkanite in der Caldera und zum anderen die geringe Nettoerosion dafür verantwortlich.

Das Besondere der Caldera von Altenberg-Teplice ist auch, dass das eingestürzte Dach der Magmenkammer in Teilen erhalten geblieben ist. Durch diesen glücklichen Umstand sind innerhalb des Erzgebirges Metamorphite konserviert, die sonst nur in der Umrandung des Kristallins oder in flacheren Krustenanschnitten des Westerzgebirges anzutreffen sind.

 

Quellen:

Mlčoch B, Skácelová Z (2010) Geometry of the Altenberg-Teplice Caldera revealed by borehole and seismic data in its Czech part. J Geosc 55, 217-229

Müller A, Breiter K, Seltmann R, Pécskay Z (2005) Quartz and feldspar zoning in the eastern Erzgebirge volcano-plutonic complex (Germany, Czech Republic): evidence of multiple magma mixing. Lithos 80, 201-227

Sebastian, U (2013) Geologie des Erzgebirges. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg

Aus Umsetzungsstudie Altenberg 2012:

Die Gründung Altenbergs geht auf den Zinnerzbergbau zurück, den WAGENBRETH (*1927) in vier Hauptperioden unterteilt. Die erste Hauptperiode beginnt mit dem Auffinden und dem Abbau der Zinnseifen im 13. Jahrhundert. Mit der Erschöpfung der Zinnseifen und dem Beginn des Bergbaus im Festgestein endet die erste Hauptperiode. Die zweite Hauptperiode ist vorwiegend durch den Abbau im Zwitterstock geprägt und endet in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. An diese schließt die dritte Hauptperiode an, die mit der Einstellung des Bergbaus 1930 endet. Die vierte und letzte Hauptperiode beginnt mit der Wiederaufnahme des Bergbaus 1934 und endet mit der Einstellung des Bergbaus im Jahr 1991.

Zu Beginn des Bergbaus wurden in und um Altenberg Zinnseifen ausgewaschen. Die Zinnseifen reichten bis nach Lauenstein und wurden wohl seit dem 13. Jahrhundert ausgebeutet. Aufgefunden wurden die Zinnseifen durch talaufwärts ziehende Siedler, welche die Sande der Bäche auf Gold prüften. Später kamen Seifner aus Graupen (Krupka) über den Gebirgskamm, um den Zinnstein aus den Zinnseifen auszuwaschen. Nachweislich gewonnen wurde der Zinnstein aus den Bächen ab etwa 1230. Ausgelesen wurden vor allem größere Zinnsteinkörner, die so genannten Zinngraupen, die dem Ort Graupen (heute: Krupka/ Tschechische Republik) bereits im 12. Jahrhundert seinen Namen gaben.

In der Bergstadt Graupen waren zu Beginn des 14. Jahrhunderts die Zinnseifenlagerstätten allmählich erschöpft und die Bergleute begannen den Zinnstein aus dem anstehenden Festgestein zu gewinnen. Auf sächsischer Seite konnten die Zinnseifenlagerstätten noch bis 1440 ausgebeutet werden. Ähnlich wie in Graupen begann man an den Talhängen mit den ersten Bergbauversuchen. Bei diesen traf man um 1440 auf den Zinngranit, den Altenberger Zwitterstock. Diese Lagerstätte gilt als eine der größten Zinnerzlagerstätten Mitteleuropas. Nach dem Auffinden der Lagerstätte setzte eine rege Bergbautätigkeit ein. Zu Beginn fand diese planlos statt und es erfolgte eine wilde Bebauung, die für den jungen Bergbauort charakteristisch wurde.

Die erste urkundliche Erwähnung von Gruben am Geisingberg stammt aus dem Jahr 1446, als die sächsischen Herrscher ein Viertel der Herrschaft Bärenstein mit den darauf befindlichen Gruben erwarben. Um den Zinnbergbau und die Entwicklung des Gemeinwesens zu fördern, verlieh der sächsische Kurfürst FRIEDRICH II. im Jahr 1451 der noch jungen Ansiedlung „off dem geyßingißberg“ das Stadtrecht. Mit der Verleihung des Stadtrechtes gingen viele für die Entwicklung der Siedlung und des Bergbaus nützliche Rechte einher. So gehörte die Erlaubnis einen wöchentlichen Markt abzuhalten ebenso zu den Rechten wie die Befreiung der Zinnflöße und der kostenlose Bezug von Holz für den Bergbau. Um 1489 wurde die Stadt „uffn altn Berg“ erstmals als Altenberg bezeichnet. Das Stadtbild zu dieser Zeit folgte keinem geplanten Grundriss. Eine feste Stadtmauer gab es in Altenberg nicht und direkt an die entstandenen Wohnhäuser grenzten Bergwerksanlagen, Aufbereitungsanlagen und Schmelzhütten an.

An den Stellen, an denen das Zinnerz übertage zu finden war, entwickelten sich zunächst Tagebaue. In diesen baute man in den reichen Bereichen das Zinnerz bis in Tiefen ab, die die einfache Technik zuließen. Doch schon bald ging man zum Tiefbau über, um das zinnhaltige Gestein mittels Feuersetzen zu gewinnen. Durch dieses Verfahren wurden die oberen Bereiche des Zwitterstockes unregelmäßig von unterschiedlich großen Weitungen durchsetzt. Aus den Weitungen wurden die Zwitter mittels Laufkarren zu den Haspelschächten gebracht, um sie nach übertage zu fördern.

Die ersten Grubenbesitzer im Altenberger Bergbaurevier waren böhmische Unternehmer wie aus den Namen wie „Commothauer Zeche“ und „Graupener Grube“ hervorgeht. Zur Mitte des 15. Jahrhunderts treten neben Unternehmern aus Graupen auch Freiberger Unternehmer wie MONHAUPT und MÜNZER und der sächsische Kurfürst auf.

Zu Beginn des Bergbaus waren die Gruben in acht Teile aufgeteilt. Gewerkschaften, die Kuxe der Gruben hielten, existierten noch nicht. Die Zinnherren, auch als Zinner bezeichnet, arbeiteten meist selbst in den Gruben mit, beschäftigten aber auch Lohnarbeiter. Nach der Förderung des Zwitters wurde dieser unter den Teil habern aufgeteilt. Im Anschluss daran war jeder selbst für die Aufbereitung des Zinnerzes verantwortlich. Entweder der Anteilhaber bereitete das Erz selbst auf oder er gab es gegen Bezahlung in fremde Pochwäschen und Schmelzhütten. Die Zinner hatten auf Grund des niedrigen, aber gleichmäßigen Zinngehaltes einen stetigen Gewinn.

Während der ersten Hauptperiode des Altenberger Bergbaus entstand der heute noch erhaltene Aschergraben, der ab 1452 angelegt wurde. Die während der ersten Bergbauperiode entstandenen Raithalden der Zinnseifen sind nur noch andeutungsweise vorhanden, Gebäude der ersten Bergbauperiode sind nicht mehr nachweisbar. Gebäude der zweiten Hauptperiode wurden zum Teil durch die mehrfach vorgekommenen Pingenbrüche seit dem 16. Jahrhundert zerstört.

Die zweite Hauptperiode des Altenberger Bergbaus war vor allem durch die stärkere Einflussnahme des sächsischen Landesherren und der Zinnhändler geprägt. Diese brachten durch Kapitalvorschüsse, die für Investitionen nötig waren, die Gewerke in ihre Abhängigkeit. Dabei setzten die Fürsten das Direktionsprinzip, das sich bereits beim Silbererzbergbau erprobt hatte, durch. Dieses Verwaltungsprinzip wurde bis seiner Aufhebung im 19. Jahrhundert beibehalten.

Die Beteiligung des Kurfürsten hatte auch technische Veränderungen in den Gruben zur Folge. Zur Sicherung seines Gewinnes setzte der Kurfürst auf bautechnische Neuerungen in den Gruben, die diesen über einen langen Zeitraum zu Gute kamen. So hatte der Kurfürst unter anderem im Jahr 1473 eine Wasserhebungsmaschine für die Altenberger Gruben planen lassen. Für denselben Zweck ließ er im Jahr 1481/1482 vom NIKLAS STAUDE ein Schöpfwerk errichten, welches sich im Radeschacht befand. Das zum Betreiben des Wasserrades benötigte Aufschlagwasser wurde in den Walkteichen gesammelt und über den Tiefenbach zum Bergwerk geleitet. Das Wasser floss danach mit dem gehobenen Grundwasser in das Tiefenbachtal ab.

Im Jahr 1491 erwarben HERZOG ALBRECHT (*1443 †1500) und sein Sohn GEORG (*1471 †1539) die Herrschaft Bärenstein und wurden somit Grund- und Bergherren von Altenberg. Im Jahr 1502 trennten sie das Bergbaugebiet von der Herrschaft Bärenstein ab und erhoben es zu einem gesonderten Amt, dem Amt zu Altenberg mit Altgeising. Die neuen Bergherren ordneten unter anderem an, dass die Löhne der Zinner in Altenberg und nicht mehr in Graupen, dem Wohnort zahlreicher im Montanwesen Beschäftigter, ausgezahlt wurden.

Im Jahr 1491 begannen auch die Arbeiten am Zwitterstocks-Tiefer-Erbstolln, dessen Finanzierung mit kurfürstlichem Druck durch die Städte Freiberg, Dresden und Leipzig sowie durch die Klöster Altzella und Meißen sichergestellt wurde. Die so entstandene Gewerkschaft Zwitterstocks-Tiefer-Erbstolln bestand in ihrer Form bis 1889 und stellte stets die Stollninspektoren aus dem sächsischen Beamtenadel und dem Freiberger Rat.

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