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Die Montanlandschaft Altenberg-Zinnwald ist das östlichste der historischen Bergreviere im sächsischen Teil des Erzgebirges. Ihre Bestandteile dokumentieren die Gewinnung, Aufbereitung und Verarbeitung großer Mengen Zinnerze über einen Zeitraum von 600 Jahren. Bedeutende Sachzeugen des Bergbaus bei Altenberg sind vom 15. bis 20. Jahrhundert erhalten. Altenberg nimmt unter den Zinnerzlagerstätten des Erzgebirges eine herausragende Stellung ein: hier wurden mehr als 100.000 t Zinn gewonnen. Zinn- und später auch Wolfram- und Lithiumerze wurden auch bei Zinnwald/Cínovec abgebaut. Der Bergbau in der Zinnwalder Lagerstätte wurde sowohl auf sächsischer als auch auf böhmischer Seite betrieben. Die historischen Verbindungen zwischen den sächsischen und böhmischen Bergbaugebieten sind in Zinnwald besonders deutlich. 

  • Hauptelemente
  • Interaktive Karte
  • Altenberger Pinge

    Nach der Entdeckung der Lagerstätte um 1440 begann im Bereich der heutigen Pinge der Abbau von Zinn. Die Erzgewinnung erfolgte dabei meistens mit der Methode des Feuersetzens. Nach dem Abtransport der gewonnenen Erze blieben Hohlräume (sog. Weitungen) zurück. Die Lagerstätte war mit diesen Weitungen durchzogen, sodass die verbliebenen Pfeiler die Last des Deckgebirges nicht weiter tragen konnten. Bereits im 16. Jahrhundert kam es zu ersten Brüchen. Der größte Bruch fand im Jahr 1620 statt. Dabei wurden große Teile des ehemaligen Bergwerkes zerstört und es entstand ein zwei Hektar großer Einbruchtrichter an der Tagesoberfläche. Heute erstreckt sich die Pinge über ein Gebiet von rund 12 Hektar Größe, bei einem Durchmesser von 400 m und einer Tiefe von ca. 160 m.

    • Pinge

      Die Altenberger Pinge ist ein großer Einbruchtrichter, der sich infolge von Zusammenbrüchen von Hohlräumen bildete. Bereits nach der Entdeckung der Zinnerzlagerstätte begann um 1440 der Abbau. Die Erzgewinnung erfolgte dabei meistens mit der Methode des Feuersetzens. Nach dem Abtransport der gewonnenen Erze blieben Hohlräume, die als Weitungen bezeichnet werden, zurück. Die Lagerstätte war mit diesen Weitungen durchzogen und diese häuften sich an den besonders erzreichen Stellen. Schlussendlich konnten die verbliebenen Pfeiler die Last des Deckgebirges nicht weiter tragen und es kam bereits im 16. Jahrhundert zu ersten Brüchen. Der größte Bruch fand im Jahr 1620 statt. Bei diesem wurden große Teile des Bergwerkes zerstört und es entstand ein zwei Hektar großer Einbruchtrichter an der Tagesoberfläche. Seit dem Pingenbruch wurde das Brucherz durch untertägigen Abbau gewonnen. Ab 1976 wurde der noch an der Pinge anstehende Festerzkörper abgebaut. Dabei wurden unter Tage angelegte Teilsohlen des Festerzbereiches gezielt zu Bruch gebracht. Durch diese gezielten Sprengungen wurde ein natürlicher Bruch der Pingenränder eingeleitet, der sich bis an die Oberfläche fortführt. Heute erstreckt sich die Pinge über ein Gebiet von rund 12 Hektar Größe. Dabei hat sie einen Durchmesser von 400 m und misst an der tiefsten Stelle 160 m. Noch heute kommt es am Pingenrand durch die Witterungseinflüsse zu Auflockerungen. Die Altenberger Pinge ist das flächenmäßig größte Bergbaudenkmal des osterzgebirgischen Bergbaus und ein Zeugnis des jahrhundertelangen Erzbergbaus in Altenberg.

  • Wäsche IV

    Für die Zerkleinerung der Erze wurde im 16. Jahrhundert das Verfahren des Nasspochens im Erzgebirge entwickelt. Es fand später weltweite Verbreitung. Ein Vertreter der für das Erzgebirge typischen Pochwäschen ist die historische Wäsche IV in Altenberg. Die Wäsche wurde erst 1952 stillgelegt, nachfolgend in eine technische Schauanlage umgestaltet und wird seither als Museum betrieben.

    • Bergbaumuseum Altenberg

      Die Geschichte der historischen Zinnwäsche reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1577 erwarb HIERONYMUS NAUMANN eine bereits bestehende Pochwäsche und nannte diese in „Naumann-Mühle“ um. Nach dem Pingenbruch im Jahr 1620 erfolgte eine Vereinigung der Altenberger Gruben. 1663/1664 fiel sämtliches Grubeneigentum an das neu gegründete Unternehmen „Gewerkschaft des Zwitterstocks zu Altenberg“. Auch die „Naumann-Mühle“ wechselte in den Besitz der Gewerkschaft und wurde fortan als „Zwitterstocksgewerkschaftliche Wäsche Nr. IV“ oder kurz „4. Wäsche“ bezeichnet. In Folge des Neubaus der Römeraufbereitung wurde die 4. Wäsche 1952 stillgelegt und zwischen 1953 und 1957 zur technischen Schauanlage umgestaltet. Das stark baufällige Gebäude wurde saniert. Außerdem erfolgte eine Ergänzung der Anlage durch das original erhaltene Turbinenpochwerk vom Betriebsgelände der Zinnerzgrube und dem Heberad der 1. Wäsche. Weiterhin erfolgte für den Vorführbetrieb die Instandsetzung der in der Wäsche erhaltenen Langstoßherde.  

  • Zwitterstock Tiefer Erbstolln mit Bergbaugebiet Neufang

    Die Gruben am sogenannten „Neufang“ östlich der Altenberger Pinge wurden bereits im Jahr 1472 aufgefahren. In dieser Zeit sind die ältesten Halden enstanden, die ebenso wie das 1793 errichtete kleine, eingeschossige Pulverhaus noch erhalten sind. Zu weiteren Sachzeugen gehören die Schutzhäuser der Wetterschächte 20 und 32, das Schutzhaus über dem Rothzecher Treibeschacht und das Mundloch des Zwitterstock-Tiefen-Erbstollns. Dieser insgesamt 1.978 m lange Stolln wurde während der ersten Hauptperiode des Altenberger Bergbaus von 1491 bis 1543 angelegt. Er diente der Entwässerung der Gruben bis in eine Tiefe von 132 m und gehört zu den technischen Meisterleistungen des Altenberger Bergbaus.

    • Mundloch Zwitterstock Tiefer Erbstolln

      Der Zwittertocks-Tiefer-Erbstolln wurde während der ersten Hauptperiode des Altenberger Bergbaus von 1491 bis 1543 angelegt. Der Stolln diente der Entwässerung der Altenberger Gruben bis in eine Tiefe von 132 m,  gemessen ab Rasensohle des Altenberger Römerschachtes. Bereits zu Beginn des Bergbaus um 1440 bereiteten die anfallenden Grubenwässer unter Tage große Probleme. Diese sammelten sich in den Grubenbauen und behinderten als Grund- und Sickerwasser den Bergbau erheblich. Anfänglich sorgten Wasserknechte für eine Entwässerung der Gruben. Um 1481 brachte ein durch den Nürnberger NICKLAS STAUDE in Altenberg errichtetes Schöpfwerk eine erhebliche Erleichterung. Angetrieben wurde das Schöpfwerk durch ein Wasserrad, welches durch das Wasser des Aschergrabens angetrieben wurde. Mit dieser Einrichtung gelang es, über den angelegten Radeschacht Wasser bis zu einer technisch beherrschbaren Tiefe aus der Grube herauszupumpen. Um das Zinnerz aus tiefer gelegenen Teilen der Lagerstätte zu gewinnen, reichte die Wasserkunst nicht aus. Deshalb sollten die anfallenden Wässer durch einen möglichst tiefen Stolln abgeführt werden. In über 50 Jahren Bauzeit wurde der Zwitterstocks-Tiefe-Erbstolln in mühevoller Handarbeit und durch Feuersetzen aufgefahren. Für eine nötige Luftzirkulation für das Feuersetzen wurde über dem Erbstolln ein 1.700 m langer Wetterbegleitstolln mitgeführt. Dieser war mehrfach mit den Hauptstolln verbunden und führte anfallende Abwetter über Lichtlöcher ab. Für die Auffahrung und den Betrieb des Stollns wurde eigens eine Gewerkschaft gegründet. Finanziert wurden die Arbeiten durch Anteile der Landesherren, der Städte Freiberg, Dresden und Meißen, der Domkapitel Freiberg und Meißen sowie des Klosters Altzella. Der insgesamt 1.978 m lange Zwitterstocks-Tiefe-Erbstolln gehört zu den technischen Meisterleistungen des Altenberger Bergbaus. Vorgetrieben wurde der Stolln berg- und talseitig im Gegenortbetrieb. Im Jahr 1543 trafen sich die Bergleute mit einer Höhendifferenz von 3,10 m. Mit dem Durchschlag des Stollns konnte die Grube kostengünstig entwässert werden. Zusätzlich konnte durch unter Tage errichtete Wasserkünste der Abbau des Zinnerzesbis zu 120 m unter dem Niveau des Erbstollns ausgeweitet werden. Der Erbstolln wurde bis in das Jahr 1982 durch den Altenberger Bergbau für die Grubenwasserableitung genutzt. Nach der Stilllegung des Bergbaus 1991 wurde der Stolln verwahrt. Hierfür wurde am Großen Lichtloch in 1.115 m Entfernung vom Mundloch im Jahr 1999 ein Gitter einbetoniert. Bis zu diesem Lichtloch ist der Stolln noch befahrbar und als Wasserweg erhalten. Eine untertägige Erinnerungstafel aus Sandstein erinnert an eine Befahrung durch PRINZ FRIEDRICH AUGUST ZU SACHSEN am 21. Oktober 1822. Der Zwitterstocks-Tiefer-Erbstollns wird durch ein bruchsteingemauertes Mundloch erschlossen. Links und rechts des Mundloches befindet sich eine Bruchsteinmauer die den hinter dem Mundloch befindlichen Hang abstützt. Auf einem Schlussstein oberhalb der Mundlochöffnung ist der Name des Erbstollns zu erkennen. Der Bereich vor dem Mundloch wurde als Rastplatz gestaltet. Weiterhin findet sich dort eine Erläuterungstafel zur Geschichte und Funktion des Erbstollns. Der Stolln verläuft ab dem Mundloch leicht ansteigend bis in die Altenberger Erzlagerstätte hinein. In seinem Verlauf ist der Stolln mehrfach abgewinkelt, da man bei der Auffahrung dessen den Erzadern folgte.

    • Haldenlandschaft

      Im östlich der Altenberger Pinge befindlichen Altbergbaugebiet am „Neufang“ ist ein für den Gangerzbergbau typisches Haldengelände erhalten. Das Haldengelände entstand ab 1472 durch den intensiven Bergbau außerhalb der zentralen Lagerstätte des Zwitterstocks. Die Grubenfelder der ehemaligen Rothe-Zeche-Fundgrube und der Gewerkschaft Zwitterstocks-Tiefer-Erbstolln werden im Gelände durch einige original erhaltene Grubenfeldgrenzsteine markiert. 

    • Meridiansteine

      Da sich der magnetische Pol der Erde permanent geringfügig verändert, war der lokale Meridian für die bergmännische Vermessung von großer Bedeutung. Denn durch diese geringfügigen Veränderungen kam es bei den früher üblichen Kompassmessungen zu Verfälschungen. Mit Hilfe des Meridians ließen sich die magnetischen Abweichungen exakt berechnen und die ermittelten Kompasswerte auf die örtlichen Koordinaten umrechnen. Die Altenberger Meridiansteine wurden 1852 durch den Markscheider FR. J. WEIß errichtet. Der Nullpunkt des Meridians stellte zudem den Bezugspunkt für die örtlichen Höhenmessungen dar. Dessen Kopfhöhe beträgt exakt 767,48 m über Normal null. Die Standorte des Nullpunktsteines und des südlichen Meridiansteins am Rande landwirtschaftlich genutzter Flächen verhinderten, dass die seit vielen Jahren bergbaulich nicht mehr genutzten Steine verloren gingen. Früher existierten zwischen den Meridiansteinen Sichtbeziehungen, die durch die heutige Bebauung der Stadt Altenberg nicht mehr gegeben sind. Die niedrigen, unscheinbaren Sandsteinquader sind Teile des lokalen Koordinatennetzes, das für die Kartierung der Grubenanlagen des Altenberger Bergbaus diente. Die Messlinie des Meridians besteht aus drei Markierungssteinen. Der Nullpunktstein befindet sich am Wirtschaftsweg oberhalb der Neustadtstraße. Der südliche Meridianstein befindet sich circa 940 m entfernt vom Nullpunktstein am Sonnenhofweg. Der nördliche Meridianstein befindet sich 1520 m entfernt vom Nullpunkt nahe der Siedlung Hirschsprung. Die Verbindung des nördlichen und südlichen Markierungssteines ergibt den Altenberger Meridian, dieser verläuft dabei über den Nullpunktstein. 

    • Rothzecher Treibeschacht

      Die Gruben am sogenannten „Neufang“ östlich der Altenberger Pinge wurden bereits im Jahr 1472 fündig. In diesem Bergbaugebiet war der Bergbau auf Erzgängen vorherrschend. Der Rothzechner Treibeschacht wurde ab 1793 niedergebracht und war ab 1794 der Hauptförderschacht der „Gewerkschaft Rothe-Zeche-Fundgrube“. Im Jahr 1817 erreichte der tonnlägige Schacht mit einer Neigung von 62° eine Endteufe von 123 m. Zur Förderung der Erzkübel befand sich auf dem Schacht zwischen 1794 und 1832 ein Pferdegöpel. Betrieben wurde der Göpel wahlweise mit drei Pferden oder mit zwei Pferden und zwei Ochsen. Diese benötigten zur Förderung eines mit 15-20 Zentnern (entspricht 770-1.020 kg) gefüllten Erzkübels etwa 10 Minuten. Der Bergbau auf der Rothen Zeche wurde 1866 eingestellt. Zwischen 1954 und 1991 nutzte der Zinnerzbetrieb Altenberg den Schacht als Flucht- und Wetterschacht. In diesem Zusammenhang wurde 1958 das Schutzhaus zur Sicherung des Schachtkopfes errichtet. Eine Instandsetzung des Schutzhauses erfolgte 1998. Der Schacht selbst wird weiterhin für den Luftaustauch des Altenberger Grubenfeldes genutzt und ist deshalb mit einer Lichtgitterrostabdeckung verwahrt. Das Schutzhaus auf dem Rothzechner Treibeschacht befindet sich in einem guten Erhaltungszustand.

    • Pulverhaus

      Das Pulverhaus wurde 1793 errichtet. Es diente der sicheren Unterbringung des für den Altenberger Bergbau benötigten Schießpulvers. Im Inneren unterteilt sich das Pulverhaus in vier Sprengstoffkammern, von denen je eine den großen Bergbauunternehmen Altenbergs, der Zwitterstocksgewerkschaft, der Gewerkschaft Zwitterstocks-Tiefer-Erbstolln und der Gewerkschaft Rothe-Zeche-Fundgrube gehörte. Die letzte verbliebene Sprengstoffkammer wurde durch die Knappschaft vermietet. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor das Pulverhaus zunehmend an Bedeutung, da die Sprengstoffe aus Sicherheitsgründen unter Tage gelagert wurden. In der Folge wurde das Pulverhaus unter anderem als Übungsraum für die Grubenwehr und als landwirtschaftlicher Lagerraum genutzt.

    • Wetterüberhauen 20

      Das Bewetterungssystem diente den Grubenbauen zur Versorgung mit Frischluft. Gleichzeitig wurden Gesteinsstaub, Sprenggase und ionisierende Strahlung verdünnt und abgeführt. Zum Bewetterungssystem gehören die Wetterüberhauen 20 und 32. Die Schachtköpfe beider Überhauen sind zum Schutz mit Wetterhäusernüberbaut. Als Abwetterschacht wurde das Wetterüberhauen 20 im Jahr 1967 in Betrieb genommenund diente ab 1982 nach Umstellung des Bewetterungssystems als Frischwetterschacht. Ebenfalls als Frischwetterschacht wurde das Wetterüberhauen 32 ab 1974 betrieben. Insgesamt konnte über die Wetterschächte und der Frischlufteinleitung des Römerschachtes eine Wettermenge von bis zu 9.000 cbm/min in das Grubenfeld eingeblasen werden. Das Schutzhaus des Wetterüberhauens 20 wurde eingeschossig errichtet. Das Ziegelmauerwerk ist verputzt. Abgeschlossen wird das Gebäude durch ein mit Schiefern gedecktes Satteldach. Zur Einleitung mit Frischluft hat das Dach des Schutzhauses beidseitig Schleppgaupen mit großen Luftöffnungen, die mit Holzlamellen verkleidet sind. Früher befand sich im Überhauen, das bei einer Neigung von 65° eine Tiefe von 221 m hat, ein Schrägaufzug.

    • Wetterüberhauen 32

      Das Bewetterungssystem diente den Grubenbauen zur Versorgung mit Frischluft. Gleichzeitig wurden Gesteinsstaub, Sprenggase und ionisierende Strahlung verdünnt und abgeführt. Zum Bewetterungssystem gehören die Wetterüberhauen 20 und 32. Die Schachtköpfe beider Überhauen sind zum Schutz mit Wetterhäusernüberbaut .Als Frischwetterschacht wurde das Wetterüberhauen 32 ab 1974 betrieben. Insgesamt konnte über die Wetterschächte und der Frischlufteinleitung des Römerschachtes eine Wettermenge von bis zu 9.000 cbm/min in das Grubenfeld eingeblasen werden.

      Das Schutzhaus des Wetterüberhauens 32 wurde eingeschossig errichtet. Für eine optimale Luftzuführung für den Wetterschacht hat das Schutzhaus große offene Betonrahmenfenster. Abgeschlossen wird das Gebäude durch ein mit Schiefern gedecktes Satteldach.

  • Aschergraben

    Der Aschergraben gehört zu den bedeutenden technischen Meisterleistungen aus der Frühzeit des Altenberger Bergbaus. Er ist die älteste künstliche Wasseranlage des Altenberger Bergbaurevieres. Angelegt wurde der künstliche Wasserlauf zwischen 1452 und 1458. Er versorgte über 500 Jahre zuverlässig Wasserräder und Aufbereitungsanlagen mit Wasser. Der Aschergraben führte das Wasser über eine Strecke von 7,4 km mit einem Gefälle von 0,3% bis 0,6% aus den Grenzwäldern oberhalb von Böhmisch-Zinnwald (Cínovec) nach Altenberg. Nach der Einstellung des Bergbaus wurde das Wasser des Aschergrabens nicht weiter benötigt. Der Graben ist dennoch als funktionsfähiger Wasserlauf erhalten geblieben.

    • Aschergraben

      Der Aschergraben gehört zu den bedeutenden technischen Meisterleistungen aus der Frühzeit des Altenberger Bergbaus. Angelegt wurde der künstliche Wasserlauf zwischen 1452 und 1458. Er versorgte über 500 Jahre zuverlässig Wasserräder und Aufbereitungsanlagen mit Wasser. Der Aschergraben ist die älteste künstliche Wasseranlage des Altenberger Bergbaurevieres. Im Jahr 1464 erwarb HANS MÜNZER die Herrschaft Lauenstein und veräußerte im selben Jahr den Kunstgraben an die Altenberger Zinngewerke. Der Name des Kunstgrabens geht vermutlich auf den Beruf des Aschers zurück. Die Ascher brannten in den Wäldern Pottasche zur Herstellung von Waschlauge. Entlang des Kunstgrabens führt ein touristisch erschlossener Wanderweg.  Der künstlich angelegte Wasserlauf wird durch Wasser aus den Grenzwäldern im Hochmoor Totes Kind (Cínovecky hřbet) oberhalb von Böhmisch-Zinnwald (Cínovec) gespeist. Über Sammelgräben gelangt das Wasser in den Aschergraben, dessen Oberlauf in jüngerer Zeit auch als Grenzgraben bezeichnet wird. Der Grenzgraben dient auch als Ablauf des Langen Teiches (Dluhy rybnik), der neben der Böhmisch-Zinnwalder (Cínovec) Kirche liegt. Durch den Zinnwalder Rosengrund fließt das Wasser dem Tal des Häuerwassers, hier auch als Mühlgraben bezeichnet, zu. Dort vereinigt es sich über einen kurzen Kunstgrabenabschnitt mit dem Georgenfelder Wasser. Kurz darauf wird das Wasser an einem Wehr in den künstlichen Wasserlauf des Aschergrabens abgeschlagen. Im weiteren Verlauf fließt das Wasser um den Höhenrücken der Scharspitze herum. Der Aschergraben führte das Wasser über eine Strecke von 7,4 km mit einem Gefälle von 0,3% bis 0,6% aus Böhmisch-Zinnwald (Cínovec) nach Altenberg. Im unteren Grabenverlauf fließt dem Aschergraben das Schwarzwasser zu. Als Wasserreservoir des Schwarzwassers dient der Schwarze Teich. In der Nähe des Römerschachtes mündete der Kunstgraben in das Tal des Tiefenbaches. Hier wurden die Wässer mit denen des Tiefenbaches vereinigt und beaufschlagten die Wasserräder der Pochwerke und Erzwäschen im Tiefenbachtal. Nach Abriss der Erzwäsche des Stahlwerkesder Becker AG in Zinnwald nach 1945 mündete das Grabenwasser unterhalb des Aschergrabens direkt in das Häuerwasser. Der Abschnitt zwischen dem alten Wehr an der Jugendherberge und dem ehemaligen Gelände der Zinnwalder Erzwäsche liegt trocken, ist aber noch deutlich zu erkennen. Heute wird das Wasser des Aschergrabens am Wehr des Georgenfelder Wassers abgeschlagen und gelangt von dort in den historischen Grabenverlauf des Aschergrabens. Mit der Errichtung der Neuen Aufbereitung und Neuen Flotation wurde der Endabschnitt des Aschergrabens überbaut. Heute fließt das Wasser des Aschergrabens bis zum Überlaufbauwerk unterhalb der früheren Wohnheime des VEB Zinnerz wird dort um die Tiefenbachhalde herumgeleitet und vereinigt sich in der Folge mit dem Wasser des Tiefenbaches. Später fließen die vereinigten Wässer über einen Wasserfall in Richtung Geising ab. Ab dem Überlaufbauwerk liegt der Aschergraben trocken und ist auf Grund starken Bewuchses nur noch schwer zu erkennen. Die historischen Zuflüsse des Aschergrabens waren der Grenzgraben und das Georgenfelder Wasser. Heute wird der Aschergraben durch das Georgenfelder Wasser gespeist. Dabei reicht der Verlauf des Aschergrabens vom Wehr des Georgenfelder Wassers bis zum Überlaufbauwerk Hanggraben.

  • Arno-Lippmann-Schacht

    Nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1949 nahm der Altenberger Zinnerzbergbau eine Schlüsselstellung für die Rohstoffversorgung der Wirtschaft des neuen Staates ein. Mit den ersten Teufarbeiten für den neuen Altenberger Zentralschacht wurde 1952 begonnen, 1963 begann die Erzförderung und 1966 wurde der Schacht nach dem aus Zinnwald stammenden Widerstandskämpfer Arno Lippmann benannt. Ab 1968 wurden jährlich über eine halbe Millionen Tonnen Erz und ab 1986 sogar eine Million Tonnen Erz gefördert. Nach der politischen Wiedervereinigung wurde der Bergbau 1991 aufgegeben. Mit dem sanierten, circa 35 m hohen Fördergerüst und den Tagesanlagen des Arno-Lippmann-Schachtes ist ein markantes technisches Denkmal der letzten Betriebsperiode erhalten, das auch die Technik und Industriearchitektur der jungen DDR dokumentiert.

    • Schacht mit Förderturm

      Nach der Gründung der DDR 1949 war der schnelle Aufbau einer Grundstoffindustrie für die Versorgung der Wirtschaft des neuen Staates notwendig. Die Versorgung mit einheimischem „Reinzinn“ erforderte eine deutliche Steigerung der Zinnproduktion, insbesondere aus der Altenberger Lagerstätte. Die begrenzte Leistungsfähigkeit des ab 1837 abgeteuften Römerschachtes und die zu erwartende Vergrößerung der Altenberger Pinge machte die Neuanlage einer zentralen Schachtanlage notwendig. Neben der ausreichenden Entfernung zur Pinge spielten noch weitere Faktoren für die Wahl des Standortes eine Rolle. Vor allem die zentrale Lage zwischen den Aufbereitungsstätten „Römer“ und “Schwarzwasser“, die geplante Einbeziehung der Lagerstätte Zinnwald und die vorhandene Hanglage waren die entscheidenden Kriterien. Die Hanglage ermöglichte eine günstige Anordnungder technologisch nachfolgenden Mittelzerkleinerung und bot günstige Möglichkeiten für den Haldensturz und die Bergelagerung. Mit den ersten Teufarbeiten für den neuen Zentralschacht des Altenberger Revieres wurde 1952 begonnen. Bereits im darauffolgenden Jahr 1953 kam es zur vorübergehenden Einstellung der Teufarbeiten bei 80 m Tiefe durch den von der Staatsregierung verhängten Investitionsstopp. Im Jahr 1958 wurden die Teufarbeiten wieder aufgenommen. In der Zwischenzeit wurde die Einbeziehung der Lagerstätte Zinnwald verworfen. Die Errichtung des Schachtgebäudes, des Fördergerüstes und des Fördermaschinenhauses erfolgte in den Jahren 1961 und 1962. Zudem erfolgten die Installation der gesamten technischen Ausstattung und der Bau von Straßen und Plätzen. Im Jahr 1963 wurde der Sozialtrakt mit Speisesaal, moderner Kaue, Arzt- bzw. Sanitätsstelle und Lampenstube fertiggestellt. Zum 1. April 1963 begann die Erzförderung im neuen Zentralschacht. Im Jahr 1966 wurde der Schacht nach dem aus Zinnwald stammenden Widerstandskämpfer ARNO LIPPMANN in Arno-Lippmann-Schacht umbenannt. Ab 1968 wurde jährlich über eine halbe Millionen Tonnen Erz gefördert. Diese Förderleistung konnte nach einer Rekonstruktion der Förderanlage im Jahr 1986 auf eine Million Tonnen Erz pro Jahr gesteigert werden. Am 28. März 1991 erfolgte im Arno-Lippmann-Schacht mit der Förderung des „Letzten Huntes“ die Einstellung des Bergbaus. Im Anschluss daran erfolgten Verwahrungsarbeiten in der Grube. Die letzte Seilfahrt erfolgte am1. April 1993 genau 30 Jahre nach der Inbetriebnahme. 

    • Maschinenhaus

      Im Hof des Ensembles befindet sich die originalerhaltene Fördermaschine. Im Jahr 2002 erhielt diese ein neues Schutzhaus. Das eingeschossige Gebäude hat ein flach abfallendes Satteldach. In den Außenmauern befinden sich große Fensterflächen, so dass eine Besichtigung der Fördermaschine von außenmöglich ist. Bei der Fördermaschine handelt es sich um eine Trommelfördermaschine, die ab 1983 im Einsatz war. Hergestellt wurde die Fördermaschine vom VEB NOBAS Nordhausen, dabei hat sie einen Trommeldurchmesser von 4 m und eine Breite von 1,65 m. Ein 520 Volt Gleichstrommotor diente dem Antriebund erbrachte dabei eine Leistung von 450 kW. Bei einer Drehzahl von 29 Umdrehungen pro Minute war bei der Seilfahrt eine Fördergeschwindigkeit von 6 m/s und bei der Materialfahrt eine Fördergeschwindigkeit von 4 m/s möglich.

  • Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald

    Die Montanlandschaft Zinnwald steht für die Gewinnung von Zinn, Wolfram und Lithium. Die Zinnerze wurden ab dem 15. Jahrhundert gewonnen, gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Wolfram zum Hauptprodukt. Zur Entwässerung der Gruben erfolgte im 17. Jahrhundert (1686) die Auffahrung des Tiefen Bünau Stollns. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der tiefer einkommende Tiefe Hilfe Gottes Stolln aufgefahren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden moderne Betriebsanlagen errichtet, zu denen auch das Zugangsgebäude am Tiefen Bünau Stolln gehört. Gebäude und Anlagen vom Vereinigt Zwitterfeld mit Tiefen Bünau Stolln und Tiefen Hilfe Gottes Stolln werden gegenwärtig als Besucherbergwerk genutzt.

    • Besucherbergwerk Zinnwald

      Die bergmännische Erschließung und Besiedlung des oberen Osterzgebirges ging von Graupen (heute: Krupka/Tschechien) aus. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts bestand dort bereits eine böhmische Ansiedlung, die ihre Entwicklung zur Bergstadt und zum Wohlstand reichen Zinnerzlagerstätten verdankte. Bei der Erzsuche drangen die Bergleute auch weiter gegen den Erzgebirgskamm im Norden vor und wurden schließlich mit reichen Erzanbrüchen belohnt. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts ist im größeren, böhmischen Teil der Zinnwalder Lagerstätte der Tiefbau nachweisbar. Im kleineren, sächsischen Teil begann die Zinnerzgewinnung erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Diese Erzfunde waren Anlass für die Gründung der Bergorte Böhmisch - Zinnwald (heute Cinovec / CR) und später von Sächsisch - Zinnwald. 1953 bildete sich am letztgenannten Ort durch Zusammenschluss die Gemeinde Zinnwald - Georgenfeld. Sie ist 1994 durch Eingemeindung ein Ortsteil der nahegelegenen bekannten Bergstadt Altenberg geworden. Der traditionsreiche Bergbau beschränkte sich zunächst auf die Gewinnung von Zinnerzen, in der Mitte des 19. Jahrhunderts kam der Abbau von Wolframerzen dazu, und seit 1890 wurde außerdem noch "Zinnwaldit" (Lithiumglimmer) bis zum Ende des 2. Weltkrieges gefördert. .

      Mit den ersten Arbeiten am Tiefen-Bünau-Stolln wurde 1686 begonnen. Er diente der Entwässerung der Zinnwalder Lagerstätte auch als Fahrweg, Förderstrecke und als Ansatzpunkt für die weitere Erzgewinnung. Er wird auch als Lebensader des Zinnwalder Bergbaurevieres bezeichnet. Mit einer grundlegenden Modernisierung der veralteten Zinnwalder Bergbauanlagen begann die Gewerkschaft Zinnwalder Bergbau unter Leitung des Ingenieurs WILHELM SEIFER 1910. Zwischen 1915 bis 1917 erfolgte eine Erweiterung der Betriebsanlagen durch den neuen Eigentümer, die Stahlwerk Becker AG aus Willich. Dabei wurden die Aufbereitung und der Grubenbetrieb mechanisiert und die Nutzung der elektrischen Energie forciert. Unter der Leitung des Dresdener Architekten MAX HERFURT entstanden in Zinnwald Betriebs-,Verwaltungs- und Wohngebäude, die auf Grund ihres repräsentativen Stils noch heute ortsbildprägend sind. Zu diesen Gebäuden gehören auch das 1917 entstandene Zechenhaus mit Bergschmiede, Mannschaftsstube und Verwaltungsgebäude. Nach der Einstellung des Zinnwalder Bergbaus 1945 erfolgte der Umbau des Zechenhauses für Wohnzwecke. Die Bergschmiede verfiel, die Schmiedeherde und der Schmiedeschornstein wurden abgetragen. Zwischen 1967 bis 1994 erfolgte die Sicherung des Grubenfeldes auf deutscher Seite durch die Bergsicherung Dresden, da es immer wieder zu Tagesbrüchen kam. Die Bergschmiede diente dabei als Betriebsraum und Baustellenunterkunft. Nach der politischen Wende begann 1990 die Gemeinde Zinnwald-Georgenfeld Teile des gesicherten Grubenfeldes Zinnwald als Besucherbergwerk herzurichten. Dabei wurde das Zechenhaus etappenweise für die Nutzung als Einfahrtsgebäude des Bergwerkes saniert. Im Jahr 1992 konnte das Besucherbergwerk Zinnwald eröffnet werden. Weitere Bau- und Sanierungsarbeiten am Einfahrtsgebäude dauerten bis 1995. Dabei wurden die Gebäudeteile der Bergschmiede, des Zechenhauses und der Mannschaftsstube denkmalgerecht umgebaut. Der Zugang zum Tiefen-Bünau-Stolln befindet sich im Erdgeschoss der Bergschmiede.

    • Mundloch Tiefe Hilfe Gottes Stolln

      Das Grubenfeld „Hülfe Gottes Erbstolln unterm Aschergraben“ wurde seit 1749 mehrfach mit dem Ziel der Erzgewinnung betrieben. Die Grube Gottes Gnade fuhr ab 1840 den Tiefe-Hilfe-Gottes-Stolln weiter auf, um die Zinnwalder Gruben in einem tieferen Niveau zu erschließen. Das bedeutete, dass der Stolln die Gruben unter dem Niveau des Tiefen-Bünau-Stollns entwässert. Mit dem Zusammenschluss der Gruben zur Gewerkschaft „Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald“ im Jahr 1852 wurde der Stolln im Gegenortbetrieb weiter aufgefahren. 1856 war der Stolln bis zur Reichtroster Weitung fertiggestellt. Im Jahr 1868 erreichte der Stolln eine Länge von circa 1.800 m und diente der Abführung der Grubenwässer des Zinnwalder Bergbaus auf sächsischer Seite bis zur Einstellung des Zinnwalder Bergbaus 1945. Das Mundloch des Stollns wurde um 1917 in Folge der Verlängerung des Stollns neu errichtet. Diese Maßnahme wurde im Rahmen der Vorbereitung der Schüttung von Sandhalden entlang des Aschergrabens notwendig. Nach der Einstellung des Bergbaus im Zinnwalder Revier wurde der Stolln nicht weiter unterhalten und brach an einigen Stellen ein. Durch ein Projekt des Freistaates Sachsen ab 2007 wurde der Stolln wieder aufgewältigt und dient seither wieder als Wasserlösungsstolln für das Zinnwalder Grubenfeld. Das Mundloch erschließt den Tiefe-Hilfe-Gottes-Stolln und stellt zugleich den Endpunkt der um 1917 vorgenommenen Verlängerung des Stollns dar. Die Verlängerung wurde in Betonguss vorgenommen und reicht nahezu bis an das Bachbett des Häuerwassers.