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24.08.2020

Authentisches UNESCO-Welterbe in Annaberg-Buchholz - 25 Jahre Besucherbergwerk „Im Gößner“

Die Geschichte des Besucherbergwerkes „Im Gößner“ in Annaberg-Buchholz gleicht einer Sensation: Als 1992 Probebohrungen im Hof des Erzgebirgsmuseums für den Neubau der Erzgebirgssparkasse vorgenommen wurden, stießen Arbeiter mitten im Herzen der Annaberger Altstadt auf unberührten Silberbergbau des 16. Jahrhunderts.

Damit verbunden war die einzigartige Chance, jene Welt des Silberbergbaus konkret erlebbar zu machen, die der berühmte Annaberger Bergaltar von Hans Hesse als erstes profanes Kunstwerk des sächsischen Silberbergbaus in der Annenkirche zeigt.

Dank der Zusammenarbeit mit dem sächsischen Wirtschaftsministerium, der Wirtschaftsförderung Annaberg sowie Planern und Bauleuten gelang es dem Stadtrat und der Stadt Annaberg-Buchholz sowie den Mitarbeitern des Erzgebirgsmuseums, innerhalb von drei Jahren ein ehrgeiziges Vorhaben zur Wirklichkeit werden zu lassen.
Seit August 1995 ist das Besucherbergwerk „Im Gößner” öffentlich zugänglich. Ausgerüstet mit Helm und Umhang sind bis dato über 310.000 Besucher in die „Annaberger Unterwelt” abgestiegen. Besucher aus der ganzen Welt, so z. B. aus ganz Europa, den USA, aus Australien, Hongkong und Südafrika, aus Japan und Malaysia, Brasilien und Indien sowie aus der gesamten Bundesrepublik haben die Gelegenheit genutzt, sächsisch-erzgebirgische Bergbauhistorie vor Ort kennen zu lernen.

Der gut begehbare Rundweg bietet faszinierende Einblicke in den „Bauch des Berges” und verdeutlicht eindrucksvoll den sächsischen Bergbau der beginnenden Neuzeit. Originale Silbergänge und -stollen, der 104 m tiefe, alte Kunstschacht sowie farbenprächtige Minerale sind nur einige der Höhepunkte während der Führung.

Bestandteile der „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří

Seit dem 6. Juli 2019 ist das Besucherbergwerk „Im Gößner“ ebenso wie Bergaltar und Annenkirche ein wichtiger Bestandteil des UNESCO-Welterbes „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“. Hinzu kommen in Annaberg-Buchholz u. a. drei Montanlandschaften in Frohnau, Buchholz und am Pöhlberg, die historische Annaberger Altstadt, der Frohnauer Hammer sowie das Besucherbergwerk „Markus-Röhling-Stolln“.


Insgesamt beinhaltet das UNESCO-Welterbe „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“ 22 Bestandteile, 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite. In ihrer Gesamtheit repräsentieren diese ausgewählten Denkmale, Natur- und Kulturlandschaften die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus.

Anhand des „Dreiklangs“ von Besucherbergwerk „Im Gößner“, Bergaltar und Annenkirche wird bis heute in Annaberg-Buchholz die Boomzeit des Silberbergbaus im 16. Jahrhundert in Sachsen beispielhaft deutlich. Während unter Tage die wirtschaftliche Grundlage der Region geschaffen wurde, entwickelte sich Annaberg parallel dazu in rund 30 Jahren bis 1530 zur zweitgrößten Stadt Sachsens. Über 900 Gruben sind in Annaberg im 16. Jahrhundert nachweisbar. 

Der Reichtum ermöglichte u.a. den Bau der Annenkirche, heute größte spätgotische Hallenkirche Sachsens, sowie die Beauftragung solch einzigartiger Kunstwerke wie den Annaberger Bergaltar. Das berühmte Bildwerk von Hans Hesse wurde 1521 geschaffen und ist die erste große und bedeutendste künstlerische Darstellung des Erzbergbaus in Sachsen. Zahlreiche szenische Darstellungen zeigen die technologischen Abläufe des Silberbergbaus in der beginnenden Neuzeit vom Erzabbau bis zur Schmelze und Vermünzung des Silbers, außerdem die Sage von der Annaberger Stadtgründung. In diesem Jahr ist der Bergaltar das optische Symbol der Sächsischen Landesausstellung BOOM.

In der Annenkirche sind außerdem das außergewöhnliche Schlingrippengewölbe, die 100 steinernen Emporenreliefs der „biblia pauperum“, die Reliefs der „Lebensalter“, die „Schöne Tür“ aus dem ehemaligen Annaberger Franziskanerkloster sowie mehrere spätgotische Altäre besonders sehenswert.

   

Der Bergbau in Annaberg-Buchholz – spannende Eckdaten:

 

Die Besiedlung der Region und das so genannte „Berggeschrey im Erzgebirge“ - der Run auf das Edelmetall - hängen, ähnlich dem Ruf „Gold am Klondike-River“, in erster Linie mit dem Bergbau zusammen.

 

Im Bereich des Bergrechts erlangten vor allem die Schreckenberger Bergordnung von St. Annaberg (1499) als erste gedruckte deutsche Bergordnung und die Annaberger Bergordnung Herzog Georg des Bärtigen von 1509 überregionale Bedeutung. Letztere galt ab 1511 für das gesamte Herzogtum Sachsen, später auch im Böhmen und anderen Bergbauregion der Welt.    

 

Technologisch hatten die erzgebirgischen Bergstädte eine Vorreiterrolle inne. Das lag u.a. darin begründet, dass der Bergbau hohe Anforderungen an die Metallkunde und Geologie, das Hüttenwesen, die Wasserführung, die Energiegewinnung sowie die Erzförderung und die Bewetterung in den Bergwerken stellte.

 

In wissenschaftlicher Hinsicht hielt der berühmte Bergbaugelehrte Georgius Agricola, Begründer der ersten Technikwissenschaft (Die Zeit, 18.03.1994), diesen technologischen Fortschritt in seinem vielbeachteten Werk von 1556 „De re metallica“ fest. Es besaß als „Bibel des Bergbaus“ über 200 Jahre Bedeutung für den internationalen Bergbau und die Metallkunde. Adam Ries kümmerte sich als Rechenmeister und Bergbeamter dabei um die Weiterentwicklung der Rechenkunst sowie die korrekte Berechnung von Ausbeuten im Bergbau.

Auch im Hinblick auf die Bürgerrechte gingen wichtige Impulse von den erzgebirgischen Bergstädten aus. Das wichtigste Privileg der Bergleute war im Gegensatz zur Leibeigenschaft der Feudalgesellschaft ihre persönliche Freiheit. Der Bergmann durfte sich mit seiner Familie nach Belieben niederlassen oder frei mit seinem Hab und Gut weiterziehen.

 

Knappschaften stellten frühe Formen der Gewerkschaften und aktive Solidargemeinschaften dar. Vor über 750 Jahren gegründet, unterstützten sie die Bergleute bzw. deren Familien bei Krankheit, Unfall und Tod. Die Mittel hierzu wurden durch freiwillige Lohnabzüge aufgebracht. Darüber hinaus bildeten sie wirksame Interessenvertretungen der Bergleute.

Nicht zuletzt gab der erzgebirgische Silberbergbau in monetärer Hinsicht Impulse.

Der Name Joachimstaler (im böhmischen Erzgebirge von 1520 bis 1528 in großen Mengen ausgemünzt) war beispielgebend für die Bezeichnung von Münzen. Auch in Polen (Joachimik), Russland (Jefimok), Italien (Joachimico) und Frankreich (Jacondale) wurden daraus Münznamen gebildet. Der zweite Teil des Namens (Taler) wurde zur Bezeichnung für die Großsilbermünze schlechthin: Taler (deutsch), Talar (polnisch), Tallero (italienisch), Daalder (niederländisch), Daler (schwedisch) sowie die Namen Dollar und Dala (Hawaii) leiten sich davon ab.

 

UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří:

www.montanregion-erzgebirge.de

 

Fotos: Stadt Annaberg-Buchholz, Matthias Förster
WeTransfer: https://we.tl/t-sPQMj8j7Lr

 

Quelle:

Matthias Förster
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