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06.07.2019

Welterbe und Erzgebirge – Die Einzigartigkeit im Detail

„Außergewöhnlicher universeller Wert“ – Was ist das? Oder anders gefragt: Was macht die Montane Kulturlandschaft Erzgebirge / Krušnohoří weltweit einzigartig?

Der grenzübergreifende Charakter und die Größe des Gebietes, das dennoch auf ein und dieselben Wurzeln basiert sind alleinig schon Besonderheiten des Erzgebirges zur Bewerbung um den Welterbetitel , Um den Welterbetitel aber zu erlangen, ist der so genannte Outstanding Universal Value (OUV) entscheidend, also der außerordentliche universelle Wert der Stätte. Für die Montanregion Erzgebirge / Krušnohoří liegt dieser Wert alleinig in der Verbindung aller 22 Bestandteile begründet. Jeder Bestandteil bringt Spezifika aus den folgenden drei bestimmenden Hauptmerkmalen ein  - doch nur alle 22 Bestandteile sind nur gemeinsam ein Welterbe.

  1. In den technologischen und wissenschaftlichen Errungenschaften, die zwischen dem 16. und dem 20. Jahrhundert vom sächsisch-böhmischen Erzbergbau ausgingen. Sie fanden in anderen Bergbaugebieten weltweit Anwendung.
  2. In der Entwicklung eines staatlich organisierten Bergbauwesens mit direktem Einfluss auf die Bergbauverwaltung, das montane Bildungssystem und auch soziale Aspekte. Anderen Bergbauregionen auf dem europäischen Kontinent diente dieses Bergbausystem als Vorbild.
  3. In der vom 12. bis in das 20. Jahrhundert hinein andauernden Formung der Region zu einer vom Bergbau geprägten, grenzübergreifenden Kulturlandschaft.  Deren unterschiedliche Entwicklungsstufen sind anhand von originalen Bergbaulandschaften, Bergbau- bzw. Hüttenanlagen oder auch Bergstädten bis heute sichtbar.

Der außergewöhnliche Rohstoffreichtum des Erzgebirges war ausschlaggebend für eine mehr als 800-jährige, auf dem Montanwesen beruhende Entwicklung der gesamten Region und führte zur Herausbildung der heutigen montanen Kulturlandschaft. Die reichen Funde von Silber, Zinn, Kobalt und Uran wurden zum Wegbereiter für wissenschaftliche Errungenschaften und wegweisende Innovationen im Bergbau und Hüttenwesen. In der Folge bildeten sich ein Ausbildungssystem und eine Bergbauverwaltung heraus, die auch als Vorlage für andere Bergbauregionen weltweit dienten. Die entstandenen Schacht- und Tagesanlagen, Pingen und Halden sowie die Bergstädte mit ihren administrativen, sakralen und profanen Bauwerken sind sichtbare Sachzeugen der Zeit. Zudem hinterließ das erzgebirgische Montanwesen nicht nur ein reiches materielles, sondern auch ein umfassendes immaterielles Erbe, das sich in den heute noch lebendigen Traditionen widerspiegelt.

Hintergrund-Info: Die Welterbe-Kriterien – welche erfüllt die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoři?

In den Richtlinien der UNESCO sind sechs Welterbe-Kriterien (i bis vi) festgelegt. An ihnen orientiert sich das Komitee, um ein nominiertes Gut für die Eintragung vorzuschlagen. Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoři erfüllt drei davon.

 

Kriterium (ii) Innovationen und weltweiter Wissenstransfer

Der rege internationale Austausch und der Wissenstransfer zeigen sich besonders anhand der weltweiten Verbreitung von Agricolas „De re metallica“ (1556), der Entwicklung eines bergmännischen Ausbildungssystems sowie an der kontinuierlichen Wanderbewegung erzgebirgischer Bergleute in andere Bergbauregionen. Im Erzgebirge wurden herausragende technologische Leistungen von weltweiter Bedeutung entwickelt, v.a. auch im Bereich der Wasserhebetechniken und der Erzaufbereitung,. Die Anwendung, Weiterentwicklung und Verbreitung dieser Technologien und Kenntnisse in der Zeit vom 16. bis zum 20. Jahrhundert sind beispiellos.

Kriterium (iii) Bergbauverwaltung und kulturelle Traditionen                                   

Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist ein außergewöhnliches Zeugnis der weitreichenden Einflüsse des Bergbaus auf alle gesellschaftlichen Bereiche, die auch die immaterielle Dimension von lebendigen Traditionen, Ideen und Vorstellungen der erzgebirgischen Kultur verdeutlichen. Die Herausbildung eines staatlich-kontrollierten Bergbaus, der anderen Bergbauregionen auf dem europäischen Kontinent als Vorbild diente, hat nicht nur die Verwaltung revolutioniert, sondern auch zur Entstehung einer auf dem Bergbau beruhenden Kultur geführt.

Kriterium (iv) Montane Kulturlandschaft und Erzbergbaulandschaften

Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist ein herausragendes Beispiel für eine grenzübergreifende Region, deren Wirtschaft vom 12. bis ins 20. Jahrhundert maßgeblich vom Bergbau geprägt wurde. Die außergewöhnliche Vielfalt an Erzen führte zu einer allmählichen Umwandlung der Landschaft in eine zusammenhängende, vom Bergbau geprägte Kulturlandschaft. Die Montanregion ist das Ergebnis der sozio-technischen Geschichte des Bergbaus, die bis heute an den Bergstädten und den zugehörigen Erzbergbaulandschaften sichtbar und im weltweiten Kontext einzigartig ist.

Kontakt zum Artikel

Stephan Prantl

Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH

Projektmanager

+49 (0) 3733 145 124

http://www.montanregion-erzgebirge.de

prantl@wfe-erzgebirge.de

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