Die Bergbauperioden im Erzgebirge auf einen Blick

Der Erzreichtum und der darauf beruhende Bergbau gaben dem Erzgebirge seinen Namen und schufen die Grundlage dafür, dass sich das Erzgebirge auf sächsischer sowie auf böhmischer Seite zu wirtschaftlichen, kulturell und zeitweise auch politisch bedeutenden Regionen in Mitteleuropa entwickelte. Der Bergbau prägt seit über Jahrhunderten die Landschaft und Kultur der Region. Er beeinflusste nicht nur die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Länder Sachsen und Böhmen, sondern hatte auch einen Einfluss auf andere Bergbauregionen national und international.

Bislang können sechs Bergbauperioden zwischen dem 12. und dem 21. Jahrhundert nachgewiesen werden, die eine mehr als 800jährige Geschichte des erzgebirgischen Montanwesens und seiner Bedeutung für die Entwicklung der montanen Kulturlandschaft aufzeigen.

Die erste Bergbauperiode: Beginn des Bergbaus (1168-1450)

Die erste bäuerliche Besiedlung des damals noch als Böhmisches Gebirge, Böhmischer Wald oder Miriquidi (Dunkelwald) bezeichneten Erzgebirges erfolgte seit der Mitte des 12. Jahrhunderts. 
Markgraf Otto von Meißen (1125-1190) ließ zwischen 1156 und 1162 im Bereich der Flusstäler der Freiberger Mulde und Striegis den Urwald roden und mehrere Waldhufendörfer für das Kloster Altzelle anlegen: darunter Tuttendorf, Berthelsdorf und Christiansdorf. Im Jahre 1168 wurde bei Christiansdorf Silbererz entdeckt. Diese Entdeckung löste ein sich rasch verbreitendes "Berggeschrey" aus.

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Der Markgraf tauschte daraufhin die drei Dörfer zurück und erwirkte das Regalrecht, um so über die in seinem Land vorhandenen, eigentlich dem königlichen Bergregal unterliegenden Bodenschätze, darunter vor allem das Silber, selbst verfügen zu können. Die Kunde von den Reichtum versprechenden Silberfunden lockte zahlreiche Bergleute, vor allem aus Süddeutschland und dem Harz, und ihnen folgend Händler und Handwerker samt ihren Familien ins Erzgebirge. Die Zusicherung besonderer Freiheiten für die Bergleute, wie u.a. der Freiheit der Person und die Befreiung von verschiedenen Fronabgaben und -diensten, förderten den Bevölkerungszustrom zusätzlich. Vor allem die von Markgraf Otto eingeführte Berg(-bau)freiheit bewirkte einen Zustrom erfahrener Bergleute. Jeder durfte nach dem begehrten Silbererz schürfen und jeder konnte gegen eine entsprechende Abgabe eine Berechtigung zum Abbau erlangen. Das gewonnene und aufbereitete Silber durfte allerdings ausschließlich an die markgräfliche Münze verkauft werden.

Durch die Zuwanderungswelle entwickelte sich aus der ehemaligen bäuerlichen Waldhufensiedlung Christiansdorf innerhalb von zwei Jahrzehnten die hochmittelalterliche Stadt Freiberg (der freie Berg), die über Jahrhunderte die flächenmäßig größte und bevölkerungsreichste Stadt des Erzgebirges war. Das „ius Fribergensis“, das berühmte Freiberger Stadt- und Bergrecht, erstmals 1233 erwähnt, erlangte ab 1307 in nun schriftlicher Form große Bedeutung für das Erzgebirge. 1267 wurde das Silber aus Freiberg  im „Buch der Minerale“ (Dominikanermönch Albertus Magnus) als die „reinste und beste Art Silber“ bezeichnet.  

Der Freiberger Bergbau ist der älteste urkundlich belegte und bedeutendste Bergbau im Erzgebirge. Allerdings kam es schon frühzeitig, teilweise parallel und unabhängig zum Bergbau im Freiberg Raum zur Aufnahme des Bergbaus an anderen Orten im Erzgebirge, so z.B. in der im 12. Jahrhundert gegründeten Bergstadt Dippoldiswalde. In den folgenden anderthalb Jahrhunderten breitete sich der Bergbau auf der Nordseite des Erzgebirges aus. Im Jahre 1387 erfolgte die Nennung einer ersten Erzgrube im späteren Revier Brand-Erbisdorf. Weitere Bergbaugebiete entstanden unter anderem in Nossen und im Hohen Forst bei Schneeberg.

Dem Silberbergbau folgte spätestens im 13. und 14. Jahrhundert der Zinnerzbergbau beiderseits des Erzgebirgskamms. Urkundlich belegt sind die Zinnerzgewinnung bei Ehrenfriedersdorf 1293 und der Zinnerzbergbau bei Graupen (Krupka) 1305. Das erzgebirgische Zinn beeinflusste im Jahre 1241 maßgeblich den europäisch bedeutsamen Metallmarkt von Köln. Die bedeutendste Zinnlagerstätte aus dieser Zeit war ab 1436 der „Zwitterstock“ von Altenberg. Diese Zinnerzlagerstätte entwickelte sich im Verlauf der Jahrhunderte zu einem der bedeutendsten Zinnbergbauareale Europas. Während dieser ersten Periode von 1168 bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts begann zudem der Erzabbau sowie die Erzeugung und die Verarbeitung von Kupfer und Eisen in der gesamten Region.

Die zweite Bergbauperiode: Städtegründungen und Blütezeit (1450-1620)

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts dehnte sich die Suche nach Silbererzvorkommen in die südwestlich von Freiberg gelegenen obererzgebirgischen Gebiete aus und führte zu einem Neuaufschwung der Silberproduktion im Erzgebirge. Ergiebige Silbervorkommen wurden 1470 in Schneeberg, 1491/92 am Schreckenberg im heutigen Annaberg-Buchholz sowie 1516 bei St. Joachimsthal (Jáchymov) im böhmischen Teil des Erzgebirges entdeckt. Zahlreiche neue Silbergruben wurden in kurzer Zeit angelegt und führten zu einem bis dahin bei-spiellosen Aufschwung des Montanwesens im Erzgebirge.

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In Folge der zunehmenden Bergbautätigkeit entstanden im gesamten Erzgebirge in der Nähe der neu entdeckten Erzvorkommen neue, teilweise planmäßig angelegte Bergstädte. Zu ihnen zählten u.a. so bedeutende Bergstädte wie Schneeberg, Annaberg, Marienberg auf sächsischer Seite oder die Bergstadt Platten (Horní Blatná) auf böhmischer Seite. Insgesamt wurden innerhalb weniger Jahrzehnte auf der Grundlage des Bergbaus der Großteil der etwa 30 Bergstädte auf sächsischer und rund 20 auf böhmischer Seite des Erzgebirges gegründet, wodurch sich das Erzgebirge zu dem am dichtesten besiedelten Mittelgebirge Europas mit einer weltweit einmaligen Anzahl an Bergstädten entwickelte. Ausgestattet mit einer Reihe von Privilegien (z.B. das Markt-, Brau-, Schank- und Schlachtrecht) lockten diese neuen Städte neben Bergleuten und ihren Familien vor allem auch Handwerker und Kaufleute sowie Künstler und Gelehrte an. Vor allem die größeren Bergstädte wie Freiberg, Annaberg, Marienberg, Schneeberg oder St. Joachimsthal (Jáchymov) entwickelten sich dabei nicht nur zu wirtschaftlichen, sondern auch zu geistlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Zentren, in denen zahlreiche prachtvolle Sakral- und Profanbauten errichtet wurden.

Aber nicht nur die Gründung und rasche Entwicklung neuer Bergstädte ist kennzeichnend für die zweite Hauptperiode der erzgebirgischen Bergbaugeschichte. Die Erschließung neuer Erzlagerstätten im oberen Erzgebirge ging einher mit der Einführung neuer Abbautechnologien, die einen Abbau und die Erschließung tieferer Erzvorkommen ermöglichten. Dadurch erlangten die Investitionen von Kaufleute, Kurfürsten und Herzöge in den Bergbau eine immer höhere Bedeutung.

Der gestiegene Kapitalzufluss führte zur Intensivierung der Schürftätigkeit und zur Entdeckung neuer reicher Erzgänge. Erst dieser Kapitalzufluss erlaubte den Bau und die produktive Nutzung von neuen Technologien sowie von Förder-, Wasserhebe- und Aufbereitungsmaschinen, die einen tieferen Abbau der Erzlagerstätten auch unter erschwerten Bedingungen ermöglichten. Vor allem die Fördertechnik und Wasserhaltung machte nach 1470 bedeutende Fortschritte, während sich die bergmännische Arbeit vor Ort gegenüber den vorherigen Jahrhunderten kaum veränderte.

Das im Erzgebirge gewonnene Silber wurde in den Münzstätten von Freiberg, Annaberg, Buchholz, Schneeberg, St. Joachimsthal (Jáchymov) und später auf sächsischer Seite in Dresden zu Münzgeld geprägt, wobei vor allem der ab 1519/20 durch die Grafen Schlick in St. Joachimsthal (Jáchymov) geprägte „Joachimsthaler“ für das europäische wie für das weltweite Münzwesen Bedeutung erlangte. Nicht nur in den Bergstädten entstanden zu dieser Zeit viele repräsentative Bauten auf der Grundlage der Einkünfte aus dem Bergbau im Erzgebirge, so beispielsweise in Sachsen ab 1471 die Albrechtsburg in Meißen oder ab 1568 das Jagdschloss Augustusburg.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts hatte der erzgebirgische Bergbau technologisch und ökonomisch eine weltweite Spitzenposition erlangt und das Erzgebirge war zum Zentrum des Bergbaus in Mitteleuropa geworden. Der intensive Bergbau des 16. Jahrhunderts führte zur Umbenennung des bis dahin als „Böhmischer Wald“ oder „Böhmisches Gebirge“ bezeichneten Gebietes in „Erzgebirge“. Die Bezeichnung Erzgebirge wurde erstmals 1527 in den Bergwerksakten verwandt.

Neben dem Silbererz, dessen Gewinnung in den 1530er Jahren ihren Höhepunkt erreichte, wurden im Erzgebirge im 15./16. Jahrhundert noch andere Erze wie Zinn, Kupfer, Eisen und Kobalt gefördert und verarbeitet. Der Beginn der 2. Bergbauphase im Erzgebirge ist vor allem auch mit einem neuen Aufschwung der Zinnerzgewinnung im östlichen Erzgebirge beiderseits der sächsisch-böhmischen Grenze verbunden. Graupen (Krupka) erhielt im Jahre 1464 die erste Bergwerksordnung des östlichen Teils des böhmischen Erzgebirges. In den Jahren 1514 bis 1518 entstand eine gemeinsame Bergwerksordnung für Altenberg, Geising, Mückenberg und andere Zinngruben, die vor allem auf Graupen (Krupka) ausgerichtet war.

Im 16. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt des Zinnabbaus in den westlichen Teil des Erzgebirges, wo nach den bereits ausgebeuteten kleineren Lagerstätten mit dem sich rasch entwickelnden Abbau in den neuen Revieren, insbesondere in Hengstererben (Hřebečná), Platten (Horní Blatná), bei Gottesgab (Boží Dar) und an anderen Orten begonnen wurde. Der böhmische Teil des Erzgebirges entwickelte sich, zusammen mit Schlaggenwald im Kaiserwald südlich des Erzgebirges, zum größten Zinnproduzenten in Kontinentaleuropa. Das böhmische Zinn verdrängte zeitweise sogar die Zinnlieferungen aus den britischen Bergwerken. Die höchsten Produktionszahlen wurden in den 1550er bis 1570er Jahren verzeichnet, danach ging der Abbau zurück.

Die dritte Bergbauperiode: Krieg und Wiederaufbau (1620-1750)

Der Dreißigjährige Krieg hatte tragische Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft im Erzgebirge. Vor allem die Bergstädte des Erzgebirges litten unter dem Kriegsgeschehen. Große Schäden waren vor allem durch Plünderungen zu verzeichnen. Viele Städte brannten im Laufe des Krieges nieder (z.B. Graupen, Kupferberg) oder erlitten schwere Schäden (Freiberg, Joachimsthal). Zahlreiche Gruben wurden zerstört oder verfielen infolge unzureichender Instandsetzung. Durch die Zerstörung der Bergbau- und Hüttenanlagen sowie durch die Belagerung und Brandschatzung zahlreicher Bergstädte während des Dreißigjährigen Krieges kam der Bergbau praktisch im gesamten Erzgebirge weitgehend zum Erliegen.

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Speziell für das böhmische Erzgebirge, das seit den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts überwiegend protestantisch war, bedeutete die nach 1620 von den Habsburgern betriebene, gewaltsame Rekatholisierung einen schweren Schlag. In letzter Konsequenz führte sie zu einer politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Spaltung des Erzgebirges in einen katholisch-böhmischen und einen protestantisch-sächsischen Teil, deren Entwicklung spätestens seit den 1650er Jahren getrennte Wege nahm. Der bald darauf einsetzende Wiederaufbau von Staat und Wirtschaft stand sowohl in Böhmen wie in Sachsen ganz im Zeichen des Absolutismus.

Nur in wenigen Regionen des böhmischen Erzgebirges konnte während und nach dem Krieg der Bergbau aufrechterhalten werden. In den Zinngruben von Hengstererben konnte der Abbau, wenn auch in bescheidenerem Umfang als im 16. Jahrhundert, fortgeführt werden. Der Untertageabbau von Zinnerz im benachbarten Platten dagegen beschränkte sich auf ein Minimum und wurde überwiegend nur durch die Gewinnung vom Zinnstein durch Seifenarbeit am Leben erhalten. Insgesamt stürzte der Dreißigjährige Krieg das Montanwesen im böhmischen Erzgebirge in eine tiefe und lang andauernde Krise, die durch die bald massiv einsetzende Gegenreformation noch verschärft wurde. Die Reaktion darauf war die Abwanderung vieler protestantischer Familien nach Sachsen, so aus Platten und den benachbarten Bergstädten, wo sie zu Beginn des Jahres 1654 mit Erlaubnis des sächsischen Kurfürsten direkt an der Grenze zu Böhmen die jüngste Bergstadt des Erzgebirges, Johanngeorgenstadt, gründeten.

In Sachsen mussten Infolge des allgemeinen Niedergangs des Bergbaus nach dem Dreißigjährigen Krieg die Bergarbeiter und ihre Familien im Erzgebirge vielfach auf andere Erwerbszweige ausweichen. Dies führte im sächsischen Erzgebirge zum Aufkommen neuer, mit dem Montanwesen mehr oder weniger direkt verbundener Gewerbe, wie der Spielzeugherstellung im Raum Olbernhau-Seiffen, die Serpentinendrechslerei in Zöblitz oder der Posamenten- und Klöppelspitzenherstellung im Raum Annaberg und Schneeberg, die die Rohstoffe der Region sowie das vorhandene Arbeitskräftepotential nutzten. Die speziellen Fähigkeiten und Kenntnisse der Bergarbeiter bildeten dabei die Basis für die Herausbildung eines frühen Zentrums der Verlags- und Manufakturproduktion im sächsischen Erzgebirge. Diese Entwicklung profitierte nicht zuletzt durch den massiven Zustrom der böhmischen Exulanten, die mit ihren Fähigkeiten und Kenntnissen die Gewerbestruktur des sächsischen Erzgebirges nicht unwesentlich verbesserten. Damit waren auch direkte Impulse zu einem Wiederaufschwung des Bergbaus auf sächsischer Seite verbunden, wie die Beispiele der Gründung von Johanngeorgenstadt (1654) oder der Gewerkschaft „Zwitterstock zu Altenberg“ (1663) zeigen.

Einen bedeutenden Aufschwung nahm infolge der in den Kriegsjahren von 1625 bis 1635 herrschenden Absatzkrise der Kobalterze ab 1635 die Blaufarbenproduktion im sächsischen Erzgebirge. Bis 1650 wurden Blaufarbenwerke in Niederpfannenstiel, Jugel, Oberschlema, Sehma und bei Zschorlau (Schindlers Werk) gegründet, welche sich bis 1694 im Rahmen eines Blaufarbenkonsortiums zusammenschlossen und dadurch eine weltweite Monopolstellung bei der Herstellung von Blaufarben erreichten, die erst im 19. Jahrhundert durch die Entwicklung der synthetischen Gewinnung des Farbstoffes Ultramarin (1828) gebrochen wurde. Schindlers Werk bei Zschorlau führt bis heute diese große Tradition der erzgebirgischen Blaufarbenherstellung – seit 1855 allerdings von künstlichem Ultramarin – fort.

Auch in Sachsen wurde die durch den Dreißigjährigen Krieg ausgelöste Krise des erzgebirgischen Bergbaus im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhundert im Zeichen des Absolutismus allmählich überwunden. 1702 wurde in Freiberg beim Oberbergamt die Stipendienkasse zur Förderung der praktischen und wissenschaftlichen Ausbildung von sächsischen Bergbeamten gegründet, aus der schließlich 1765 die Bergakademie Freiberg hervorgehen sollte.

Nicht nur im Freiberger Revier wurden um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert neue Gruben in Betrieb genommen. 1698 konnten bei Aue Kaolinvorkommen erschlossen werden, welche die Rohstoffgrundlage für die Entwicklung des europäischen Hartporzellans durch Johann Friedrich Böttger (1682-1719) und andere zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Sachsen bildeten. Das Silber und das als Grundstoff für die Porzellanherstellung dienende Kaolin aus dem sächsischen Erzgebirge leisteten einen nicht unerheblichen Beitrag dazu, die kostspielige Hofhaltung sowie die umfangreichen Bauten und Kunstsammlungen Kurfürst August II. (1660-1733) in Dresden zu finanzieren.

Die vierte Bergbauperiode: Beginnende Industrialisierung (1750-1850)

Nach dem durch die Kriegswirren des Siebenjährigen Krieges verschärften ökonomischen Niedergang Sachsens in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfuhr die Bergbauproduktion im Erzgebirge ab etwa 1770 einen erneuten Aufschwung. In dieser vierten Hauptperiode erreichte der Bergbau infolge des Abbaus ärmerer Erze zwar nicht mehr die Ausbeute wie im 16. Jahrhundert, erfuhr aber qualitativ mit der Gründung der Bergakademie in Freiberg im Jahre 1765 grundlegende neue wissenschaftliche und technologische Impulse, die schließlich seinen Übergang in das Industriezeitalter ermöglichten.

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In den folgenden Jahrzehnten wurde das gesamte Berg- und Hüttenwesens reorganisiert. In erster Linie erfolgte eine technische Modernisierung des Montanwesens. Die Gründung der Bergakademie in Freiberg trug wesentlich dazu bei, den Abbau, die Aufbereitung und die Verhüttung der Erze auf eine solide wissenschaftliche Basis zu stellen.

Vorher noch wenig genutzte Erze wie Wismut, Kobalt, Nickel, Zink oder Uran gewannen in dieser Periode an Bedeutung. Der erzgebirgische Bergbau blieb für Sachsen ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Quantitativ verlor der sächsische Erzbergbau im 19. Jahrhundert zwar international und national an Bedeutung, in seiner qualitativen Bedeutung steht er aber bis heute für zahlreiche technische Innovationen und für wissenschaftlichen Fortschritt.

Neue technologisch und wissenschaftlich fundierte Abbau- und Verhüttungsverfahren wurden eingeführt. Der Einsatz verbesserter Förder- und Wasserhaltungstechnik erlaubte einen Bergbau in größerer Tiefe und damit eine weitere Nutzung der vorhandenen Lagerstätten. Mit der technischen Modernisierung und dem staatlich geförderten Ausbau der Infrastruktur, wie z.B. dem Bau des Erzkanals im Freiberger Nordrevier (Inbetriebnahme 1789) oder dem Bau des Rothschönberger Stollns (1844 bis 1877) zur Entwässerung des Freiberger Reviers wurde der Versuch unternommen, den Niedergang des Erzbergbaus aufzuhalten. Letztlich verdankte der kaum noch rentable erzgebirgische Erzbergbau damit seine Existenz zunehmend nur noch der intensiven Beteiligung und Unterstützung durch den sächsischen Staat.

Gleiches galt für das erzgebirgische Hüttenwesen, das nunmehr unter Aufgabe unrentabler Standorte wie z.B. der Antonshütte im Westerzgebirge, ganz auf die beiden zentralen Standorte Muldenhütten und Halsbrücke bei Freiberg konzentriert wurde. An der Bergakademie wurden neue Schmelzverfahren auf der Grundlage wissenschaftlich-chemischer Forschungen entwickelt, die bei der Modernisierung der staatlichen Silberhütten angewandt werden konnten.

In Aue gelang 1823 die Herstellung von Argentan (Neusilber) aus Nickel, Zink und Kupfer, für dessen Produktion 1829 im Auerhammer eine erste Fabrik eingerichtet wurde. Unter der geschützten Bezeichnung Alpaka wurden in Aue in bedeutendem Umfang Tafelgerätschaften und Schmuck hergestellt. Dabei konnte die bereits im Erzgebirge vorhandene traditionelle Besteckproduktion in einer neuen Qualität und Quantität fortgeführt werden.

Als neuer Zweig des sächsischen Bergbaus begann sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schließlich der Steinkohlebergbau in den Randbereichen des Erzgebirges im Plauenschen Grund bei Dresden, im Zwickauer und im Lugau/Oelsnitzer Revier auf privatwirtschaftlicher Grundlage auf dem damals modernsten technischen Niveau zu entwickeln. Er sollte zu einer wichtigen Grundlage der nun rasant einsetzenden Industrialisierung Sachsens werden. Die allgemeine Entwicklung der sächsischen Industrie, vor allem des Maschinenbaus, hatte auf die im Bergbau verwendete Technik unmittelbaren Einfluss und profitierte andererseits direkt vom Bergbau und den dort entwickelten Technologien. Nicht zufällig hieß die erste von Richard Hartmann (1809-1878) in Chemnitz gebaute Lokomotive „Glück Auf“, während die vom Freiberger Kunstmeister Brendel konstruierte Dampffördermaschine der Schachtanlage Alte Elisabeth in Freiberg von der Chemnitzer Maschinenbaufirma Pfaff gebaut wurde.

Die fünfte Bergbauperiode: Liberalisierung des Montanwesens (1850-1945)

Die folgende Periode des erzgebirgischen Bergbaus in Sachsen war gekennzeichnet durch letzte Versuche, den sich seit vielen Jahren abzeichnenden Niedergang vor allem des Silberbergbaus aufzuhalten. Im Jahre 1871 wurde mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs die Goldwährung eingeführt, was den Silberpreis weiter verfallen ließ. Seitens des sächsischen Staates versuchte man dieser Entwicklung durch eine einschneidende Reform der Bergbauverwaltung sowie organisatorische und technische Modernisierungen gegen zu steuern oder sie doch wenigstens zu verzögern.

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Um 1870 waren allein im Freiberger Revier noch 5.000 Bergleute tätig. Aber auch die Fertigstellung des Rothschönberger Stollns im Jahre 1877 als größter und bedeutendster sächsischer Stollen, der der Entwässerung des gesamten Freiberger Reviers diente, konnte den Niedergang nicht aufhalten. Trotz aller Maßnahmen blieb der Erzbergbau jedoch verlustbringend. Im Jahre 1903 erfolgte daher die Grundsatzentscheidung zur Stilllegung der Freiberger Erzbergwerke, die bis 1913 zur planmäßigen Stilllegung der Mehrzahl der Gruben führte.

Ganz anders entwickelte sich dagegen der Steinkohlebergbau in den drei großen sächsischen Lagerstätten, der eine wichtige Grundlage der Industrialisierung Sachsens in dieser Epoche darstellt. Am Nordrand des Erzgebirges gehörte dazu das Steinkohlerevier von Lugau-Oelsnitz mit bedeutenden Schachtanlagen wie z.B. dem 1869/74 geteuften Kaiserin-Augusta-Schacht, der seit Beginn der 1920er Jahre umfassend modernisiert und in seiner Leistungsfähigkeit erheblich gesteigert wurde.

Eine Wiederbelebung erfuhr der Erzbergbau im sächsischen Erzgebirge erst im Zeichen der Autarkiebestrebungen der Nationalsozialisten und der Wiederaufrüstung Deutschlands in den 1930er Jahren. Zu diesem Zweck wurde 1937 die „Sachsenerz Bergwerks AG“ gegründet, die der Wiederaufnahme des Buntmetallbergbaus im Freiberger sowie in anderen Revieren diente. Dies führte im Erzgebirge zur Errichtung neuer Bergwerke zur Förderung strategisch wichtiger Bodenschätze, darunter verschiedener Stahlveredler wie Wolfram, Nickel oder Mangan. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges besaßen sowohl der Erzbergbau wie auch der Steinkohlebergbau im Erzgebirge eine große strategische Bedeutung.

Der Beginn der fünften Bergbauphase im böhmischen Teil des Erzgebirges wird durch mehrere wichtige Ereignisse definiert. Im Jahre 1850 wurde der Staat zum fast alleinigen Bergunternehmer in Joachimsthal, nachdem er der Stadt die Grube Einigkeit (Svornost) abgekauft hatte. Die anschließende Reorganisation der Verwaltung und die Änderung der technischen Ausstattung der hiesigen Bergwerke legten den Grundstein für die weitere Silbererzgewinnung, aber auch für den erstmals im größeren Umfang betriebenen Uranerzabbau.

Entscheidend für die Weiterentwicklung des Joachimsthaler Bergbaus waren vor allem die Uranerze, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und auch später zur umfangreichen Produktion der Uranfarben dienten, die ab 1852 in einer neuen, heute nicht mehr existierenden Fabrik direkt in der Stadt hergestellt wurden. Eine weitere Bedeutungssteigerung der Joachimsthaler Gruben trat ein, nachdem der französische Physiker H. Becquerel im Jahre 1896 die von radioaktiven Stoffen ausgehende Strahlung nachgewiesen und M. Sklodowska-Curie 1898 in Abfällen aus der Joachimsthaler Uranfarbenfabrik die beiden neuen chemischen Elemente Polonium und Radium isoliert hatte. Die Joachimsthaler Gruben waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts die einzigen Uranbergwerke der Welt. Nach der Entdeckung der heilenden Wirkungen des radioaktiven Grubenwassers entstand in Joachimsthal im Jahre 1906 das erste Radium- bzw. Radon-Kurbad der Welt.

Der wirtschaftliche Aufschwung der böhmischen Länder und damit auch des Erzgebirges wurde in den Jahren 1914 bis 1918 durch den Ersten Weltkrieg stark beeinträchtigt. Die Militarisierung der Industrie bei Kriegsbeginn ging zwar mit einer vorübergehenden Wiederbelebung des Wolframerzgewinnung in Graupen und Zinnwald und des Eisenerz- und Manganerzabbaus in Platten einher, doch insgesamt erlitt die Wirtschaft infolge des Krieges gewaltige Verluste.

Nach der Entstehung der Tschechoslowakei im Jahre 1918 wurden noch Versuche unternommen, einige Bergwerke des Erzgebirges wiederzubeleben, mit Ausnahme der Uranerzgewinnung in Joachimsthal aber kam der Erzbau praktisch zum Erliegen. 

Die sechste Bergbauperiode: Bergbau im Zeitalter des Sozialismus (1945-1990)

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangten neben den böhmischen auch die sächsischen Uranerzvorkommen des Erzgebirges im Zusammenhang mit der Entwicklung sowjetischer Kernwaffen größte strategische Bedeutung. Direkt nach dem Krieg begann daher eine intensive Suche nach Uranerzen auch im sächsischen Erzgebirge. Der größte Teil der durch Kriegseinwirkungen relativ unzerstört gebliebenen Schacht- und Grubenanlagen des erzgebirgischen Erzbergbaus wurde nach 1945 unter die Verwaltung der sowjetischen Militäradministration Deutschlands (SMAD) gestellt, welche die Suche nach Uranerzvorkommen im großen Umfang aufnahm. 

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Unter dem Tarnnamen Staatliche Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie „Wismut“ (AG Wismut) wurde mit dem Abbau der reichen Uranerzlagerstätten teils in den alten Bergrevieren, teils auch Abseits von diesen aus neuen, tiefen Schächten im westlichen Teil des Erzgebirges begonnen. Das sächsische Erzgebirge erlebte mit dem ab 1946 beginnenden Uranerzbergbau eine außergewöhnliche Bergbauperiode. Dieser inmitten des dicht besiedelten Erzgebirges betriebene Bergbau, der hunderttausende von Bergleuten beschäftigte, war weltweit einzigartig. Er veränderte nachhaltig die Region. Zum dritten Mal in der Geschichte strömten Tausende von Menschen ins Erzgebirge, um sich eine neue Existenz aufzubauen. In den Anfangsjahren wurden zwar noch politische Gefangene und Kriminelle zum Abbau von Uran zwangsverpflichtet, aber Vergünstigungen wie eine bessere Versorgung mit Nahrungsmitteln und Konsumgütern, höhere Löhne und eine bessere gesundheitliche Versorgung durch die Wismut zogen von Anfang an auch zahlreiche Freiwillige ins sächsische Erzgebirge. Es entwickelte sich unter Kontrolle der Wismut im Erzgebirge „ein Staat im Staate“ der neuen Deutschen Demokratischen Republik mit eigener Partei- und Staatssicherheitsorganisation und eigenen Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen.

Wurden 1946 lediglich 15,7 t Uran produziert, waren es ein Jahr später bereits 145 t. Am 29. August 1949 erfolgte die Zündung der ersten sowjetischen Atombombe, deren Bau durch das im Erzgebirge geförderte Uranerz überhaupt erst ermöglicht wurde. Die AG Wismut wurde zum wichtigsten Uranproduzenten im Machtbereich der UdSSR. Die Zentren des Uranabbaus waren vorerst die historischen Bergbaugebiete um Johanngeorgenstadt, Schneeberg und Schlema. Johanngeorgenstadt wurde zu einem der bedeutendsten Uranbergbauzentren des deutschen Teils des Erzgebirges. Die Intensität des Bergbaus führte dazu, dass viele große Lagerstätten innerhalb kürzester Zeit ausgeerzt waren. Es wurden andere Uranerzvorkommen erschlossen. In Thüringen im Bereich von Ronneburg fanden Wismut-Geologen Uranerzvorkommen, die sogar im Tagebau abgebaut werden konnten. So verlagerte sich das Bergbaugebiet mehr und mehr aus dem Erzgebirge in das benachbarte Thüringen. Die AG Wismut wandelte sich unterdessen 1954 von einer rein sowjetischen zur sowjetisch-deutschen Aktiengesellschaft (SDAG). Bis 1953 gingen die Gewinne der SAG Wismut als Reparationsleistungen in die Sowjetunion. In dieser Zeit hatte man etwa 10.000 t Uranerz gewonnen.

Mit dem Ende der DDR und der Angliederung Ostdeutschlands an die BRD wurde nach 1990 der Bergbaubetrieb der SDAG Wismut eingestellt. Einerseits wurde Uranerz nicht mehr in großen Mengen benötigt, andererseits wurde es unrentabel, weiterhin mit dem sächsischen Uranbergbau auf dem freien Markt zu bestehen. Nach der politischen Wende beschäftigte sich die nunmehr bundeseigene Wismut GmbH mit der ebenfalls beispiellosen Sanierung der Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus und der Uranerzaufbereitungsanlagen. Bis 1990 wurden nur in Schlema und Pöhla noch Uranerze abgebaut. Insgesamt wurden von der AG Wismut im ostdeutschen Uranerzbergbau 231.000 t Uranerz gefördert. Ein großer Anteil kam davon aus den erzgebirgischen Lagerstätten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es 1945/46 mit der Wiedererrichtung der Tschechoslowakei zur Vertreibung, Abschiebung bzw. Aussiedlung der deutschen Einwohner des böhmischen Erzgebirges und zur Ansiedlung und Zuwanderung von Tschechen in die Region. Bereits unmittelbar nach dem Krieg waren alle Bergwerke verstaatlicht und privates Unternehmertum in diesem Wirtschaftszeig verboten worden. In den 1950er und 1960er Jahren wurden im böhmischen Erzgebirge die meisten bekannten Lagerstätten erneut erkundet und in einigen von ihnen wurde der Abbau dann auch tatsächlich wieder aufgenommen.

Eine ganz spezifische Rolle in der Bergbaugeschichte der Nachkriegszeit spielte der Uranerzabbau. Im Mai des Jahres 1945 wurden die Joachimsthaler Gruben wieder vom tschechoslowakischen Staat übernommen. Schon am 11. September 1945 aber wurden sie von Soldaten der Roten Armee besetzt. Organisiert wurde das Ganze von der Kommandantur der Roten Armee im deutschen Annaberg. Neben Joachimsthal waren davon auch die weitere Umgebung von Annaberg und Johanngeorgenstadt betroffen.

Nach intensiven Anwerbungsmaßnahmen kamen nach und nach Bergleute, aber auch neue Siedler aus der ganzen Tschechoslowakei nach Joachimsthal. Ende des Jahres 1947 arbeiteten hier rund 3.750 Menschen. Aber selbst dieser Anstieg der Arbeitskräfte bildete keine Garantie für einen mehrfachen Anstieg der Fördermengen nach den Vorstellungen der Jáchymover Kommission. Noch vor Februar 1948 traten die aus der UdSSR hierhin transportierten deutschen Kriegsgefangenen ihren „Dienst“ im volkseigenen Unternehmen Jáchymovské doly an (insgesamt 12.000 Personen; Anfang 1949 wurden sie langsam nach Deutschland „abgeschoben“). Bei den Bergwerken wurden Gefangenenlager errichtet, deren internes Regime, die gesamte Evidenz und sonstige organisatorische Angelegenheiten von Mitarbeitern der sowjetischen Sicherheitsorgane kontrolliert wurden.

Ab Februar 1948, nach der Regierungsübernahme durch das kommunistische Regime, kam es in den Joachimsthaler Gruben zu einem nie da gewesenen Aufschwung der Erzgewinnung, der in der Geschichte des böhmischen Bergbaus ohne Beispiel ist. Die Arbeitskräfte für Joachimsthal wurden nun mithilfe von Konzentrations- und Strafgefangenenlagern sichergestellt, die gleich neben den Uranschächten errichtet wurden. Von dieser Epoche des Bergbaus zeugt noch heute der Rote Turm des Todes.

Durch Bergbauarbeiten wurden in der gesamten Geschichte des Reviers mehr als 8.000 t Uran im Erz gewonnen, davon 7.200 t Uran unter der Regie des volkseigenen Unternehmens Jáchymovské doly. Nach radioaktiven Rohstoffen suchte man kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur im Joachimsthaler Revier, zu dem auch Abertham gehörte, sondern auch in einigen anderen Revieren, so beispielsweise in Gottesgab, Kupferberg, Preßnitz, Frühbuß und Bleistadt, allerdings mit nur sehr bescheidenem Erfolg.